Mal ehrlich – ist irgendjemand wirklich davon überzeugt, dass ein Großteil der Menschen in Ostdeutschland bis 70 durchackern kann? Sahra Wagenknecht findet dafür drastische Worte. Sie hält den Vorstoß, das Rentenalter anzuheben, für einen gesellschaftlichen Fehltritt, fast schon wie ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die eben nicht mit Aktienfonds oder gut gefüllten Sparstrümpfen daheim sitzen. "Wer diese Rentenpläne weiter senkt, der nimmt den Schwächsten das letzte Stück Sicherheit", poltert sie Richtung Funke-Mediengruppe. Es klingt nach Anklage und nach Ansporn zugleich, denn sie will die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zum zentralen Votum über diese Frage machen – eine Art Volksabstimmung eben, zumindest symbolisch. Die "Bild" berichtet derweil, eine Expertenrunde wolle das Renteneintrittsalter perspektivisch auf 70 Jahre anheben, dazu solle auch das Rentenniveau wegschmelzen. Allerdings: Aus der Kommission selbst gibt es bereits Widerspruch, und vieles bleibt Gerücht. Wagenknecht attackiert derweil offen die Partei-Konkurrenz: Schulze (CDU, Sachsen-Anhalt), Wegner (CDU, Berlin) und Schwesig (SPD, Mecklenburg-Vorpommern) müssten Farbe bekennen – bisher sagen sie wenig. Vielleicht, weil die Debatte gerade erst Fahrt aufnimmt. Und irgendwie bleibt die Frage: Was verändert sich wirklich, wenn Protest zur Wahlurne getragen wird?
Der Vorstoß, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen und das Rentenniveau zu senken, sorgt für heftigen politischen Streit, besonders im Osten Deutschlands. Sahra Wagenknecht und ihr BSW positionieren sich entschieden dagegen und fordern die Menschen in den bevorstehenden Landtagswahlen in Ostdeutschland auf, diese Pläne aktiv abzulehnen. Nach aktuellen Berichten dementieren Kommissionsmitglieder zwar eine endgültige Einigung, doch verunsichert die Rentendebatte viele Bürger; Umfragen zeigen, dass große Teile der Bevölkerung – quer durch die Parteien – eine weitere Verlängerung der Lebensarbeitszeit ablehnen. In Medien und Politik bleibt der soziale Sprengstoff dieses Themas hoch, auch weil die ostdeutschen Bundesländer überproportional betroffen wären, da dort die Lebenserwartung im Schnitt geringer ist und viele Berufe körperlich fordernd sind.