Lula da Silva ist überzeugt: 'Multilateralismus ist keine Option, sondern Notwendigkeit.' In seinem Gastbeitrag – veröffentlicht im 'Tagesspiegel' und im 'Handelsblatt' – betont der brasilianische Staatschef, wie dringend es sei, internationale Kooperationen zu stärken. Diese seien, so Lula, der einzige Weg, um Frieden, Nachhaltigkeit und Teilhabe für die Gesellschaften weltweit zu ermöglichen.
Brasilien tritt bei der diesjährigen Hannover Messe als Partnerland auf – das erste Mal nach rund vier Jahrzehnten. Lula nahm die Einladung von Bundeskanzler Friedrich Merz an, um die Verbindung zwischen beiden Staaten auszubauen. Gerade in einer Ära wachsender Unsicherheiten und vehementen Nationalismus sei Dialog, so Lula, unverhandelbar. Fast beiläufig zitiert er alarmierende Zahlen: Rekord-Militärausgaben von 2,7 Billionen US-Dollar, wovon schon ein winziger Teil ausreichen würde, um den Welthunger in den Griff zu bekommen. An Zynismus fehlt es der Weltlage wirklich nicht.
Er hebt die Bedeutung des Freihandelsabkommens zwischen der EU und Mercosur hervor: Ab 1. Mai 2026 soll es praktische Wirkung entfalten. Das Abkommen öffne Märkte, schaffe verlässliche Bedingungen und stärke wirtschaftliche Ketten beiderseits des Atlantiks. Ob seine Vorteile tatsächlich an der Basis ankommen, werde sich erst noch zeigen – daran scheiden sich mitunter die Geister.
140 brasilianische Unternehmen sind diesmal auf der Hannover Messe vertreten. Die Eröffnung übernimmt Lula gemeinsam mit Friedrich Merz – ein Zeichen, dass Brasilien Deutschland als verlässlichen Mitstreiter sieht. Vielleicht ein echter Anfang für mehr als nur leere Versprechen, vielleicht aber auch wieder nur ein weiterer Fototermin. Man wird sehen.
Lula da Silva unterstreicht in seinem Beitrag den dringenden Bedarf an stärkerem Multilateralismus und setzt bei diesem Projekt gezielt auf Deutschland als Schlüsselnation. Scharfe Kritik übt er dabei an wachsendem Unilateralismus, weltweiten Handelsstreitigkeiten und den explodierenden Militärausgaben – insbesondere, weil mit einem Bruchteil des Geldes Hunger effektiv bekämpft werden könnte. Besonders hervorzuheben ist das bald in Kraft tretende Abkommen zwischen EU und Mercosur, dessen tatsächliche Auswirkung auf Wohlstand und Stabilität in der Praxis noch abzuwarten bleibt.
Aktuell diskutieren zahlreiche Medien, wie sehr der globale Multilateralismus derzeit unter Druck steht. Wie aus Berichten von taz (21.04.2024) und Zeit Online hervorgeht, sehen viele Experten in der brasilianisch-deutschen Partnerschaft einen möglichen Wendepunkt – sofern sie über wirtschaftliche Interessen hinaus auch auf Werte und Klimaschutz setzen. Aus Sicht von Wirtschaft und Politik gilt die Hannover Messe 2024 als Testfall für das Engagement beider Länder, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch auf gesellschaftlicher und geopolitischer Ebene einen neuen Kurs einzuschlagen.