Wer regt sich über Widerspruch am meisten auf? Ein Blick auf Grünen-Anhänger

Laut einer aktuellen Befragung des Allensbach-Instituts zeigen Wähler der Grünen am deutlichsten, dass sie sich von gegensätzlichen Ansichten aus der Fassung bringen lassen – häufiger als die Anhänger anderer Parteien.

heute 07:02 Uhr | 2 mal gelesen

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung griff die Studie am Freitag auf. Spannend ist die Fragestellung: "Wie reagieren Sie, wenn jemand fundamental andere Meinungen vertritt? Sind Sie schnell genervt – oder bleibt das für Sie entspannt?" Bei dieser Frage erklärten 28 Prozent der Grünen-Wähler, dass sie sich schon aufregen, wenn andere ganz anders ticken. Direkt dahinter: AfD-Fans mit 24 Prozent. Unions-Sympathisanten schwingen sich auf 19 Prozent, SPD-Leute liegen bei 18 Prozent. Interessant am Rande: Insgesamt führt das zu einem Bevölkerungsschnitt von 21 Prozent, was nach ziemlich viel klingt.

Unerwartet – zur verbreiteten Annahme, man lebe besonders in sozialen Netzwerken in einer Filterblase, widersprechen die Ergebnisse. Im echten Freundeskreis scheint die politische Einigkeit sogar noch ausgeprägter zu sein als online! Von denen, die regelmäßig mit Freunden schwatzen, gaben nur rund zehn Prozent an, dass der Freundschaftskreis politisch anders tickt als man selbst. Wer sich aber in den sozialen Medien austauscht, findet doppelt so oft politische Vielfalt vor. Vielleicht ist der Stammtisch doch manchmal der echteste Echoraum.

Die Umfrage von Allensbach offenbart: Grünen-Anhänger geraten am häufigsten in Rage, wenn andere Meinungen vorgetragen werden. Bei AfD-Wählern ist die Zahl ebenfalls hoch, während Unions- und SPD-Wähler etwas gelassener wirken. Überraschend: Der soziale Nahbereich – also der Kreis enger Freunde – ist offenbar politisch homogener als die Bubble in sozialen Netzwerken, was der gemeinhin verbreiteten Meinung widerspricht. Die Studie erhält damit zusätzliche Relevanz, denn sie stellt grundlegende Einschätzungen über gesellschaftliche Diskussionsräume infrage. Bei jüngeren Umfragen und Prognosen zu gesellschaftlichen Haltungen in Deutschland gibt es Hinweise, dass Polarisierung und Echokammern zwar im Internet sichtbar sind, aber analoge Kreise oft unterschätzt homogen bleiben. Aktuelle politische Stimmungen, z.B. im Zuge der Europawahl und der anstehenden Landtagswahlen, zeigen ebenfalls eine wachsende Emotionalität in allen politischen Lagern. Diskussionskultur bleibt ein hart umkämpftes Feld: Während einige Medien anmahnen, Debattenräume offener und konstruktiver zu gestalten, warnen Parallelstudien vor wachsender „Empörungsbereitschaft“ quer durch alle Gesellschaftsschichten.

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