Zehn gesetzliche Krankenkassen – mehr braucht es nicht, zumindest wenn es nach Carsten Linnemann geht. So äußerte er sich bei einem Interview mit RTL und ntv und ließ dabei wenig Interpretationsspielraum. Seiner Ansicht nach verursachen die aktuell rund 93 Kassen vor allem Kosten, ohne echten Mehrwert für die Versicherten zu bieten. Die Unterschiede bei den Leistungen seien kaum spürbar; unterm Strich gleiche das System also eher einem bürokratischen Hindernislauf. 'Wenn ich sehe, dass da Milliarden für quasi nichts ausgegeben werden, dann kann ich nur den Kopf schütteln', sagte Linnemann. Vor allem die kleinen Kassen geraten so ins Visier – er stellte in Aussicht, erst Kassen unter 200.000 oder 250.000 Mitgliedern abzuwickeln.
Das deutsche Gesundheitssystem sei nach Linnemanns Überzeugung zu teuer und zu schwerfällig. Er begrüßte die Reformbemühungen von Gesundheitsministerin Warken, sparte aber nicht mit Forderungen: Einsparungen müssten deutlich über das bisher Vorgeschlagene hinausgehen. Auch beim Thema Bürgergeld: Die Krankenkassenbeiträge für Empfänger solle künftig nicht mehr bei den übrigen Versicherten landen.
Die Diskussion um die Zukunft der gesetzlichen Krankenkassen trifft einen Nerv – nicht erst seit Linnemanns Vorstoß. Deutschland hat mit seinen knapp 95 Krankenkassen im internationalen Vergleich einen Sonderweg gewählt; damit verbunden sind hohe Verwaltungskosten, die häufig kritisiert werden. Befürworter einer Konsolidierung erhoffen sich mehr Effizienz und geringere Beiträge, während Kritiker fürchten, dass Service und regionale Versorgung auf der Strecke bleiben könnten. Aktuell prüft die Bundesregierung umfassende Strukturreformen im Gesundheitswesen, auch als Reaktion auf haushohe Defizite vieler Kassen. Wie weit die Reduktion tatsächlich gehen kann, bleibt abzuwarten. Neuere Stimmen aus der Politik betonen, dass bei einer Zusammenlegung vieler Kassen vor allem Datenschutz, Servicequalität und Wettbewerb nicht zu kurz kommen dürfen. Parallel dazu gibt es in den Medien vermehrt Berichte über steigende Beiträge und Leistungsabbau: Die Unruhe in der Bevölkerung wächst, nicht zuletzt angesichts der finanziellen Belastungen in fast allen Lebensbereichen.