Bei der feierlichen Abschlussveranstaltung im Stephansstift Hannover präsentierten die Kitas ihre Erkenntnisse, die sie über vier Jahre hinweg gesammelt hatten. In einem leidenschaftlichen Vortrag hob der Soziologe Aladin El-Mafaalani hervor, dass echte Chancengleichheit in der Bildung drei Dinge zusammen denken muss: Benachteiligungen ausgleichen, Talente entfalten lassen und außergewöhnliche Leistungen gezielt fördern. 'Das ist wie ein Jonglage-Act', meinte er, und eine Aufgabe, die uns alle betrifft.
Die Projekterfahrung zeigt, dass man schon im Kita-Alltag Wege findet, individuelle Begabungen wertzuschätzen – manchmal braucht es dazu neue Beobachtungsstrategien, offene Elternangebote und kreative Partnerschaften mit lokalen Bildungsinitiativen. Mit der Erfahrung und der Begleitung durch das nifbe und zahlreiche Austauschrunden sind praxisnahe und solidarische Modelle für eine stärkenorientierte Arbeit mit Kindern und Familien entstanden. Einige Kitas wurden daraus zu Anlaufstellen für Begabungsförderung in ihrer Region.
Prof. Dr. Kai-Uwe Kühnberger vom nifbe betonte: 'Kein Kind sollte übersehen werden – gerade angesichts des demografischen Wandels sind die Stärken jedes Einzelnen wertvoll. Wir dürfen niemanden aus dem Blick verlieren und müssen schon im frühen Alter gezielt fördern.' Das nifbe begleitet den Wissenstransfer von Forschung in die pädagogische Wirklichkeit, nicht nur mit Konzeptpapieren, sondern direkt in den Teams vor Ort.
Dr. Ingmar Ahl von der Karg-Stiftung: 'Gedeihliche Förderung sollte keine Lotterie sein, sondern ein fester Bestandteil von Erziehung. Gerade in der Kita lassen sich Talente entdecken, die sonst vielleicht verborgen geblieben wären.' Auch hochbegabte Kinder, die oft unsichtbar bleiben, sollen so entdeckt und gestärkt werden.
Für die wissenschaftliche Begleitung sorgte das Institut für Theorie und Empirie des Sozialen (ITES) unter Leitung von Prof. Dr. Peter Cloos. Bemerkenswert: Die Erfahrungen und Stimmen der Fachkräfte, Kinder und eltern werden in einer eigens dafür produzierten Filmdoku eingefangen und bleiben somit dauerhaft sichtbar.
Das Projekt läuft seit 2022 mit einer Unterstützung von 650.000 Euro. Auch nach Projektende sollen die entstandenen Netzwerke Inspiration für weitere Einrichtungen bieten und den Umgang mit Vielfalt und Talenten nachhaltig verändern.
Karg-Stiftung
Seit 1989 engagiert sich die Karg-Stiftung für das Erkennen und die Förderung besonderer Talente bei Kindern und Jugendlichen in ganz Deutschland. Ihr Ziel: ein Bildungssystem, das für alle Schüler und Schülerinnen – auch für Hochbegabte – echte Möglichkeiten eröffnet. Die Stiftung setzt auf Wissenstransfer, Beratung und stärkt die Kompetenzen von Fachpersonal mit zugeschnittenen Qualifizierungen. Mit solider Basisarbeit und Weitblick gilt sie inzwischen als wichtiger Akteur der deutschen Begabungsförderung.
Weitere Infos und Pressekontakt: Mirko Bogedaly, Karg-Stiftung (Email: mirko-bogedaly@karg-stiftung.de, www.karg-stiftung.de)
Das Projekt 'Karg Campus Kita Niedersachsen' hat eindrucksvoll gezeigt, dass frühkindliche Begabungsförderung in der Praxis möglich ist – vorausgesetzt, Erzieherinnen und Erzieher werden fortgebildet, Netzwerke mit Eltern entstehen und der Austausch mit externen Partnern gelingt. Besonders Anklang fanden niedrigschwellige Eltern-Workshops, neue Dokumentationsmethoden für individuelle Stärken und der Aufbau thematischer Schwerpunkte mit lokalen Kulturpartnern. Laut aktuellen Diskussionen aus der Fachwelt ist es zentral, diese Ideen auch über das Projekt hinaus als Standard in Kitas zu verankern und fortlaufend mit Forschungserkenntnissen zu verbinden; immer mehr Bundesländer fordern nun gezielt ähnliche Projekte und sehen darin einen Schlüssel zu mehr Bildungsgerechtigkeit. RECHERCHE UND ERGÄNZUNGEN: 1. In Niedersachsen wird Bildungs- und Chancengerechtigkeit im frühkindlichen Bereich zunehmend als gesellschaftlicher Auftrag verstanden, wie auch die jüngste Landtagsdebatte zum Kita-Ausbau zeigt, wo insbesondere der Abbau von Barrieren für Kinder mit Migrationshintergrund hervorgehoben wurde. 2. Das nifbe berichtete kürzlich, dass nicht nur Begabungen, sondern auch soziale Kompetenzen und emotionale Entwicklung systematisch beobachtet und gefördert werden sollen, um Ausgrenzungsmechanismen frühzeitig zu verhindern. 3. Eine Auswertung des Deutschen Jugendinstituts hebt hervor, dass nachhaltige Netzwerke zwischen Kitas, Schulen und weiteren Bildungsakteuren entscheidend sind; positive Effekte zeigen sich etwa bei Kindern, deren Entwicklung in Kita und Grundschule durchgängig wertschätzend begleitet wird.