Krieg und Versicherung: Trügerische Sicherheit – wo Policen im Ernstfall versagen

Mannheim – Mit jedem neuen Konfliktherd wirft sich die Frage neu auf: Wie sicher ist mein Versicherungsschutz eigentlich? Viele sind überzeugt, im Notfall finanziell abgesichert zu sein – gerade hier aber schleichen sich gravierende Unsicherheiten ein. Besonders Kriegsrisiken, politische Unruhen und Terroranschläge entpuppen sich oft als Stolpersteine, gegen die klassische Versicherungen überraschend machtlos sind.

heute 15:46 Uhr | 3 mal gelesen

Verlockend klingt es ja: 'Umfassender Schutz in jeder Lebenslage.' Doch spätestens dann, wenn Bomben fallen oder politische Systeme wanken, zeigt sich, wie porös das Versicherungskonstrukt in der Wirklichkeit ist. Viele Standardpolicen brechen genau dort auseinander, wo Menschen auf Unterstützung angewiesen wären – bei Krieg, Terror oder drastischen politischen Maßnahmen.

Kriegsausschlüsse – der blinde Fleck vieler Policen

Kriegerische Auseinandersetzungen sind in einer überraschenden Vielzahl von Versicherungsverträgen gar nicht mehr Bestandteil der Leistung. Ob Hausrat, Unfall, Leben oder Berufsunfähigkeit – die genannten Risiken sind fast immer mit Klauseln wie 'Krieg', 'kriegsähnliche Ereignisse' oder 'innere Unruhen' explizit ausgeschlossen. Das liegt nahe: Der Super-GAU für Versicherer ist der totale finanzielle Kollaps unter der Last massiver Schäden. Ganze Städte wiederaufzubauen lässt sich eben schwer kalkulieren – und noch weniger dauerhaft finanzieren.

Für die Versicherten heißt das im Ernstfall: Ausgerechnet dann, wenn das Bedürfnis nach Sicherheit am größten wird, stehen viele mit leeren Händen da. Man fühlt sich plötzlich nackt trotz aller Policen im Aktenordner.

Spannungsfeld: Terror, Randale und Cyberkrieg

Ob etwas als Krieg gilt oder nicht, ist mitunter ein Minenfeld. Terrorismus etwa – juristisch noch kein Krieg, aber riskant genug, dass viele Versicherer ihn ausschließen. In Deutschland gibt es für Großschäden durch Terror spezielle Instrumente wie die Extremus AG. Normale Kriegsschäden bleiben hier aber weiterhin außen vor.

Für Schäden durch politische Gewalt oder Vandalismus kann es Zusatzoptionen geben, die allerdings variieren. Bei Cyberangriffen wird die Situation noch verworrener: War es ein Einzeltäter – oder eine staatlich gesteuerte Bande? Je nach Antwort gibt’s Geld – oder eben nicht.

Und die Ausnahmen?

Es gibt sie – selten und eher als Notausgang. Die sogenannte passive Kriegsdeckung ist so ein Beispiel, wie man sie etwa in Lebens- oder Unfallversicherungen findet. Sie greift, wenn jemand durch einen Kriegsausbruch im Ausland überrascht wird und gewährt, je nach Vertrag, ein paar Tage Schutz. Aber wehe man ist aktiv beteiligt, dann ist auch diese Hintertür zu.

Transportversicherungen oder Großkunden mit extra teuren Cyberpolicen haben oft noch individuelle Sonderdeckungen. Für Normalverbraucher: teuer und schwer zu bekommen.

Was Versicherte wissen müssen

Vertrags-„Obliegenheiten“ sind Pflicht. Wer trotz Warnung ins Krisengebiet reist, dem kann die Versicherung grobe Fahrlässigkeit vorwerfen – dann gibt es im Extremfall gar nichts mehr.

Auch Pflichten wie Schadenverhütung werden in Krisen wichtiger: Wer zum Beispiel den eigenen Besitz nicht sichert, läuft Gefahr, dass die Versicherung nicht zahlt.

Achtung beim Kleingedruckten

Letztlich entscheidet das genaue Lesen. Die Erfahrung zeigt: Viele überschätzen ihre Deckung oder verlassen sich auf Werbeslogans. Wer jetzt nicht reinschaut, merkt im Notfall erst, wo der Schutz endet – und das kann dann finanziell bitter werden. Gerade jetzt in politisch bewegten Zeiten wäre ein Check der eigenen Verträge keine schlechte Idee.

Persönliche Anmerkung:

Was mir dabei immer wieder auffällt: Der Wust an Ausnahmen macht es Laien fast unmöglich, echt durchzublicken. Es bleibt ein ungutes Gefühl – und wenn ich eines gelernt habe, dann das: Vertrauen ist gut, dauerhafte Klarheit besser.

Über Tobias Vetter:

Tobias Vetter ist Finanzprofi und Geschäftsführer der Vetter Group. Sein Ansatz: Legale Steueroptimierung und langfristige Finanzstrategie, zugeschnitten auf Unternehmer und Selbstständige. Und: 'Struktur schlägt Improvisation – auch bei Versicherungen.'

Kontakt: info@vetter-consulting.de | Vetter Consulting GmbH

Viele Versicherungspolicen decken Schäden durch Krieg, Terror und politische Unruhen nicht ab, was bei aktuellen geopolitischen Krisen in Europa – besonders durch den anhaltenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – deutlich spürbar wird. Während Spezialversicherer wie Extremus AG große Terrorrisiken für Unternehmen in Deutschland teilweise absichern, bleiben klassische Kriegsschäden für Privatkunden meist ausgeschlossen; insbesondere Cyberangriffe, die staatlich gesteuert sein könnten, führen zunehmend zu Streitfällen über die Einordnung und damit über die Leistungspflicht. Die Diskussion um Versicherungslücken erhält neue Brisanz, weil die Zahl internationaler Konflikte 2024 weiter steigt und viele Versicherte jetzt erstmals realisieren, welcher Schutz ihnen im Ernstfall tatsächlich fehlt – auch angesichts steigender Bedrohungen durch hybride Kriegsführung oder geopolitisch motivierte Attacken auf Infrastruktur. Zudem berichten Medien immer öfter über gestiegene Prämien und verschärfte Ausschlusskriterien in vielen Vertragswerken, um die eigenen Risiken zu begrenzen.

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