Zugegeben, je lauter die Ränder poltern und Antisemitismus oder Islamismus auf der Bühne erscheinen, desto dringlicher klingt der Ruf nach Demokratie-Förderung. Prien sieht aber ein Problem: Nicht jede Maßnahme, die Zivilgesellschaft pusht, schiebt die Demokratie wirklich an. Dieser Automatismus, dass alles Gute für die Zivilgesellschaft zwingend demokratie-stärkend sei, ist in ihren Augen ein Trugschluss. Viel mehr plädiert die Ministerin dafür, die Wirksamkeit konkreter zu prüfen. Was noch auffällt: Prien sieht den Kern des Problems woanders – beim schwindenden Konsensgeist. In den sozialen Medien, so meint sie, drehen viele Menschen längst nur noch ihre privaten Meinungsschleifen, unfähig, sich auf ein gemeinsames Argument einzulassen. Orte für echte Demokratieerfahrung müssten daher besonders gestärkt werden – seien es Schulen, Jugendhäuser, Musikkapellen oder Fußballvereine. Wer weiß, vielleicht wächst zwischen Notenständer und Torpfosten mehr Demokratie als im Kommentarspaltendschungel im Netz.
Karin Prien setzt sich für eine gezieltere und überprüfbare Wirksamkeit der Projekte im Rahmen von 'Demokratie leben' ein, anstatt blind alles zu fördern, was unter dem Dach der Zivilgesellschaft läuft. Sie bemängelt, dass die Bereitschaft zur Debatte und zum Konsens immer mehr verloren geht, insbesondere durch die abgrenzende Wirkung sozialer Medien. Neueste Publikationen etwa der ZEIT, des Spiegels oder von der Süddeutschen bestätigen diesen Trend: Die Spaltung entlang politischer Linien nimmt zu. Zugleich wird diskutiert, wie Förderprogramme gegen Rechtsextremismus modernisiert und direkter in Schulen oder Vereinen umgesetzt werden könnten. Prien fordert im Sinne einer demokratischen Widerstandsfähigkeit konkrete Lern- und Erfahrungsorte, an denen Demokratie erlebbar bleibt.