Private Altersvorsorge: Scharfe Töne gegen Klingbeils Reformideen

Verbraucherschützer und Teile der Politik stellen die Pläne der Bundesregierung zur privaten Altersvorsorge infrage – vor allem wegen zu hoher Kosten für Sparer.

heute 00:03 Uhr | 2 mal gelesen

Die geplante Reform der privaten Altersvorsorge sorgt für ordentlich Diskussionsstoff. Im Fokus: Die von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) angepeilte Kostenobergrenze von 1,5 Prozent der jährlichen Sparsumme für das neue Standardvorsorgeprodukt, das gewissermaßen die Riester-Rente beerben soll. Für Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip ist das schlichtweg zu viel – 'eine Einladung an Banken und Versicherer, ungestraft abzukassieren', wettert er in der 'Süddeutschen'. Tenhagen plädiert stattdessen für maximal 0,5 Prozent – alles andere schade langfristig den Sparern. Die Finanzbranche verteidigt die höheren Kosten dagegen mit 'Vertriebsaufwand' und Verwaltungsgebühren. Das Gesetz, das aktuell im Bundestag liegt, verpflichtet Banken und Versicherungen, zumindest ein staatlich vorgegebenes Standardprodukt feilzubieten – mit dem erwähnten Kostendeckel. Wer mehr fürs „Drumherum“ möchte, kann das: Anderen, auch teureren Produkten, würde die staatliche Förderung trotzdem winken. CSU-Finanzpolitiker Dorn deutet bereits an, dass eine Absenkung der Obergrenze wahrscheinlich sei – zumindest beim Standardprodukt, wie er in der Rentenkommission der Regierung ausplaudert. SPD-Kreise drücken sich zwar um Namen, haben aber auch Bauchschmerzen: Die 1,5 Prozent gelten ihnen als 'viel zu hoch', theoretisch seien sogar 0,1 Prozent Verwaltungsgebühr drin. Finanztip hat mal gerechnet und festgestellt: Spart eine Familie monatlich 150 Euro, kommen bei 1,5 Prozent Gebühr und sechs Prozent Rendite in 40 Jahren rund 227.000 Euro zusammen; bei 0,5 Prozent wären es sogar 68.000 Euro mehr. Der Zinseszinseffekt frisst über Jahrzehnte den Unterschied zu einem ordentlichen Batzen auf. Letztlich bleibt fraglich, ob Berliner Politik und Finanzbranche beim Thema Altersvorsorge wirklich vor allem das Wohl der Sparer im Blick haben – oder nicht doch zu oft ihre alten Gewohnheiten verteidigen.

Im Mittelpunkt der aktuellen Debatte zur privaten Altersvorsorge steht die Frage nach der angemessenen Kostenobergrenze für neue Standardprodukte. Experten und Verbraucherschützer fordern eine spürbare Absenkung auf 0,5 Prozent oder weniger, da hohe Gebühren über Jahrzehnte massive Renditeverluste für Sparer bedeuten – selbst scheinbar kleine Unterschiede summieren sich durch den Zinseszinseffekt zu beachtlichen Beträgen. Seit dem Bekanntwerden des Gesetzentwurfs ist der politische Druck auf die Koalition gestiegen: Neben Finanztip und mehreren Politiker:innen warnen auch diverse Fachleute, dass zu hohe Gebühren tendenziell alte Fehler wiederholen und das Vertrauen in die private Vorsorge weiter beschädigen könnten. Die Diskussion fällt zudem mit einer allgemeinen Skepsis gegenüber dem Finanzsektor und einer inflationsbedingt steigenden Unsicherheit zur langfristigen Absicherung im Alter zusammen. Interessanterweise zeigen Modelle einiger europäischer Staaten, dass deutlich günstigere Gebührenmodelle tatsächlich machbar und erfolgreich sein können – doch der Einfluss der deutschen Finanzwirtschaft ist nach wie vor spürbar. Der Bundestag berät weiter, eine Entscheidung noch im März bleibt möglich.

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