Im Grunde dreht es sich bei diesem Schlagabtausch abermals um das fragile Gleichgewicht im transatlantischen Handel – eine Balance, die durch die protektionistische Rhetorik aus Trumps Lager regelmäßig ins Wanken gerät. Fratzschers Appell trifft einen Nerv, denn tatsächlich zeigt die jüngste Nachrichtenlage: Neben Fratzscher rufen weitere Wirtschaftsfachleute die EU zu mehr Mut im Umgang mit den USA auf. Laut einer aktuellen Analyse der Süddeutschen Zeitung wird ein verschärfter Handelskonflikt als durchaus realistisch angesehen, während die Europäische Kommission bereits Möglichkeiten für Gegenmaßnahmen prüft. Hinter den Kulissen wird laut FAZ derzeit über verschiedene Optionen verhandelt – von gezielten Zöllen auf US-Produkte bis zu einer Digitalsteuer, die vor allem Google, Apple & Co ins Visier nähme. Die Debatte wird hitziger, immerhin stehen zigtausende Arbeitsplätze in der betroffenen Autoindustrie und massig Binnenmarktanteile auf dem Spiel. Neue Medienberichte zeigen zudem, dass US-Lobbyisten bereits mobil machen, um die Zollerhöhungen vielleicht doch noch zu entschärfen. Fest steht: Die kommenden Wochen dürften zur politischen Feuerprobe für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen werden.