DIW-Chef sieht Zeitpunkt für entschlossene EU-Gegenzölle gegen Trump gekommen

Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung plädiert für einen klaren Kurs der Europäischen Union gegenüber den jüngsten Zollankündigungen von Donald Trump. Laut Fratzscher wäre jetzt genau der Moment, nicht nur Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sondern speziell auch die großen US-Technologiekonzerne zur Kasse zu bitten, um das europäische Gewicht in Verhandlungen zu stärken. Trumps Pläne sehen die Einführung saftiger 25-Prozent-Zölle auf Autos und Lkws aus der EU vor – Details dazu ließ der ehemalige US-Präsident offen.

heute 14:07 Uhr | 5 mal gelesen

Fratzschers Kommentar kommt nicht aus dem luftleeren Raum: Gerade jetzt, da Trump politisch angeschlagen wirkt, sollte Europa selbstbewusst reagieren – so seine Botschaft. Die Handlungsempfehlung? Kein weichgespültes Appeasement, sondern durchaus mal ein paar Zähne zeigen: Mit eigenen Zöllen kontern und US-Tech-Riesen, deren Gewinne die europäischen Staaten seit Jahren ärgern, gezielt besteuern. Trumps Ankündigung, ab kommender Woche neue Zollsätze auf europäische Automobile einzuführen, ist für Fratzscher Anlass genug, alte Muster aufzubrechen. Was Konkretes bleibt Trump bisher schuldig, die Kursrichtung ist allerdings deutlich. Man könnte meinen, Europa sei mal wieder am Zug.

Im Grunde dreht es sich bei diesem Schlagabtausch abermals um das fragile Gleichgewicht im transatlantischen Handel – eine Balance, die durch die protektionistische Rhetorik aus Trumps Lager regelmäßig ins Wanken gerät. Fratzschers Appell trifft einen Nerv, denn tatsächlich zeigt die jüngste Nachrichtenlage: Neben Fratzscher rufen weitere Wirtschaftsfachleute die EU zu mehr Mut im Umgang mit den USA auf. Laut einer aktuellen Analyse der Süddeutschen Zeitung wird ein verschärfter Handelskonflikt als durchaus realistisch angesehen, während die Europäische Kommission bereits Möglichkeiten für Gegenmaßnahmen prüft. Hinter den Kulissen wird laut FAZ derzeit über verschiedene Optionen verhandelt – von gezielten Zöllen auf US-Produkte bis zu einer Digitalsteuer, die vor allem Google, Apple & Co ins Visier nähme. Die Debatte wird hitziger, immerhin stehen zigtausende Arbeitsplätze in der betroffenen Autoindustrie und massig Binnenmarktanteile auf dem Spiel. Neue Medienberichte zeigen zudem, dass US-Lobbyisten bereits mobil machen, um die Zollerhöhungen vielleicht doch noch zu entschärfen. Fest steht: Die kommenden Wochen dürften zur politischen Feuerprobe für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen werden.

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