Ehrlich gesagt, manchmal wirkt die FDP, als hätte sie sich in den letzten zwölf Monaten ein stilles Kämmerlein gesucht und den Türspalt zugezogen. Genau das will Wolfgang Kubicki, FDP-Urgestein und notorischer Klartexter, ändern. Seit er seine Kandidatur für den Bundesvorsitz bekanntgemacht hat, spürte er „einen anderen Wind“ in der öffentlichen Wahrnehmung der Partei. Laut seiner Aussage in der FAZ: In den vergangenen Wochen ist die FDP aus diesem Schatten wieder herausgetreten – und das nicht zufällig. Kubicki interpretiert das wachsende Interesse an seiner Person als Indiz dafür, dass viele, auch politische Rivalen wie Medien, der Partei wieder echten Erfolg zutrauen. Sein Selbstbewusstsein ist dabei kaum zu überhören: Die „Marke Kubicki“, wie er es nennt, sei bislang nicht klar mit der FDP verknüpft gewesen, das solle sich aber grundlegend ändern, sollte er den Parteivorsitz übernehmen.
Den Kontakt zur Basis sucht Kubicki augenscheinlich offen, manchmal fast kumpelhaft: Die Menschen seien bei seinen Veranstaltungen nicht unbedingt an allen Details interessiert, sondern vielmehr an der Stimmung, die er verbreitet. Er selbst kann mit dem Label „Klartext-Redner“ übrigens gar nicht so viel anfangen – und doch kleben diese Rolle und Erwartungshaltung an ihm. Seine Ziele sind dabei deutlich: Bis Mai kommenden Jahres soll die FDP in den Umfragen spürbar über die Fünf-Prozent-Marke klettern – das ist für ihn keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Seinem Mitbewerber um den Vorsitz, Henning Höne, wolle er keinen Schaden zufügen. Im Gegenteil: Das Miteinander sei harmonisch, Höne sei der Kopf des größten Landesverbandes, und Kubicki will dessen Bedeutung bewusst hervorheben. Letztlich aber gelte: Am Ende müssten auch kritische Stimmen gemeinsam ziehen – denn jeder, der Kubicki schwächt, stelle sich letztlich gegen die Chancen der gesamten Partei. Ein Gedanke, bei dem man nicht umhinkommt, sich zu fragen: Wie viel persönliches Ego hält die FDP derzeit eigentlich aus?
Kubickis Kandidatur hat innerhalb der FDP und in der Öffentlichkeit eine neue Dynamik ausgelöst. Nach einem Jahr, in dem die Partei kaum wahrnehmbar gewesen sei, sieht er sich als Motivator und Identifikationsfigur, die der FDP zu neuem Glanz verhelfen soll. Die Wahl zum Vorsitzenden gilt für ihn als Chance, die Verbindung zwischen seiner Person und der Partei zu festigen. Mit dem Ziel, die Umfragewerte bis zum nächsten Frühjahr deutlich zu steigern, signalisiert er Entschlossenheit – und appelliert gleichzeitig an den Zusammenhalt, gerade gegenüber innerparteilichen Kritikern. Laut aktuellen Recherchen liegt die FDP bundesweit in den Umfragen noch leicht unter fünf Prozent, während die Parteispitze um personelle und inhaltliche Ausrichtung ringt. In den Medien dominieren Debatten um die strategische Richtung der Liberalen, wobei insbesondere die Themen wirtschaftliche Erneuerung, Digitalpolitik und der Umgang mit rechtspopulistischen Strömungen unter den Mitgliedern für Reibung sorgen. Sowohl taz als auch Zeit und Spiegel berichten von einer wachsenden internen Unruhe – ein Bundesparteitag wird als entscheidender Moment für die Zukunft der FDP betrachtet.