Wadephul: Ruhiger Puls bei Ankündigung möglicher US-Truppenreduktion

Der CDU-Außenpolitiker Johann Wadephul hält sich gelassen, als Gerüchte über einen weiteren Vorstoß von Donald Trump in Sachen US-Truppenabzug aus Deutschland auftauchen. Während seines Besuchs in Marokko winkte Wadephul ab – Unruhe? Fehlanzeige.

heute 13:00 Uhr | 5 mal gelesen

Wadephul ließ sich im Interview locker nicht aus der Ruhe bringen. Die Ankündigungen, dass Washingtons Blick erneut gen Pazifik wandern könnte, überraschen ihn nicht – unter Obama hatte man ja damit schon angefangen. "Es wird wohl zu Veränderungen kommen, und die lasten dann auf den europäischen Schultern", so Wadephul. Europa müsse ohnehin an Eigenständigkeit gewinnen, was das Nato-Gewicht angehe. Der Politiker sieht Deutschland also keineswegs in einer Schockstarre: Die Bundeswehr sei vorbereitet, die Nato-Westbindung stehe nicht in Frage. Besonders betont Wadephul die Bedeutung der Standorte wie Ramstein, Landstuhl und Grafenwöhr – essenziell für beide Seiten aus seiner Sicht. Dass diese ganz aufgegeben werden, hält er (noch?) für ausgeschlossen. Auch auf Trumps digitale Seitenhiebe gegen Kanzler Merz verzichtet Wadephul auf Gegenreaktion. "Zurückschießen bringt nichts – der Austausch mit den USA läuft weiterhin konstruktiv", so sein lakonischer Kommentar. Erst kürzlich habe er, so Wadephul, mit dem US-Außenpolitiker Marco Rubio über die Krise im Iran und den Krieg in der Ukraine gesprochen – dabei herrsche Einigkeit zwischen Berlin und Washington. Merz selbst verteidigt er obendrein: Die Mahnung an Teheran war notwendig – und das sieht auch die deutsche Regierung so.

Wadephul bleibt angesichts von Trumps möglichen Plänen, US-Truppen aus Deutschland abzuziehen, gelassen und verweist darauf, dass sich die transatlantischen Beziehungen häufig wandeln. Er sieht in den deutschen US-Militärstandorten einen unverzichtbaren Pfeiler für die Sicherheit, sowohl aus deutscher als auch amerikanischer Sicht. Die Regierung und besonders die Bundeswehr würden sich auf Änderungen einstellen, gleichzeitig gibt es weiterhin einen sachlichen Dialog mit den USA, wie auch die jüngsten Gespräche mit Marco Rubio zeigen. Aktuelle Recherchen in internationalen Medien zeigen, dass der mögliche US-Truppenabzug vor allem als Teil eines größeren sicherheitspolitischen Wandels gesehen wird: Trump hatte bereits in früheren Amtszeiten eine stärkere Belastung europäischer Nato-Staaten gefordert, während Berlin betont, eigene sicherheitspolitische Verantwortung zu übernehmen – meistens im Schulterschluss mit Brüssel und Paris. Parallel diskutiert die deutsche Bundesregierung derzeit, wie Europas strategische Unabhängigkeit wachsen kann, während die Ukraine- und Nahostkrisen transatlantische Gespräche prägen.

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