Am Freitag legte Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands Fuels und Energie, bei RTL/ntv ein Versprechen ab: Die neue Steuersenkung für Kraftstoffe landet, so wörtlich, ‚eins zu eins am Zapfhahn.‘ Trotzdem empfiehlt er, sich keine Illusionen zu machen – der Preis für Benzin und Diesel bleibt ein wildes Tier. Die Entwicklung am Weltmarkt kennt bekanntlich keine Rücksicht; dass die Ersparnis von 17 Cent pro Liter an die Kunden weitergereicht wird, ist bei Schwankungen im globalen Handel nur die halbe Wahrheit. Von Gersdorff widerspricht Vorwürfen, in der Vergangenheit sei so eine Steuersenkung bei den Autofahrern nicht angekommen. Seiner Aussage nach habe der Tankrabatt 2022 nach Kriegsbeginn in der Ukraine tatsächlich voll durchgeschlagen, über den gesamten Zeitraum hinweg – Preissprünge kämen eben oft von anderswo.
Interessant ist sein Blick auf das große Ganze: Die geforderte "Übergewinnsteuer" etwa, findet er äußerst fragwürdig. Er meint, Raffinerien müssten derzeit teils zu Mondpreisen einkaufen, was Gewinnrechnungen ins Unübersichtliche treibt. Sein Ziel klingt bodenständig und pragmatisch: Füllstände sichern, Versorgung für Benzin, Diesel, Heizöl und Flugkraftstoffe gewährleisten. Engpässe sieht er immerhin aktuell keine – und wünscht sich, dass das auch diesen Sommer so bleibt. Aber, und das kommt im Nebensatz, gerade die globale Lage kann so manche Planung über den Haufen werfen. Sicher ist beim Sprit mal wieder nur die Unsicherheit.
Der Mineralölwirtschaftsverband betont, dass die Steuersenkung für Kraftstoffe zwar voll an die Kunden weitergegeben wird, die Preise an den Zapfsäulen aber trotzdem stark von den globalen Rohölmarktpreisen beeinflusst bleiben. Wegen starker Preisschwankungen auf dem Weltmarkt könnten die Deutschen auch nach der Steuersenkung keine nennenswerte Entlastung spüren; das hatte sich bereits 2022 während des Ukraine-Kriegs gezeigt. Die Debatte um eine "Übergewinnsteuer" für Raffinerien hält der Verband für verkürzt, da Raffinerien unter großem Preisdruck stehen und die Versorgungssicherheit oberste Priorität bleibe.
Neuere Informationen zeigen zudem, dass angesichts der fortbestehenden Unsicherheiten auf den Energiemärkten – bedingt durch geopolitische Konflikte, Produktionsengpässe und Wetterextreme – größere Preissprünge an den Zapfsäulen auch kurzfristig weiterhin denkbar sind. Nach Angaben der Bundesnetzagentur und zahlreicher Wirtschaftsexperten sehen sich Raffinerien aktuell mit Lieferengpässen bei bestimmten Rohölqualitäten konfrontiert, was selbst in einer Zeit niedrigerer Steuern zu höheren Endverbraucherpreisen führen kann. Darüber hinaus wird der Ruf nach staatlicher Regulierung lauter, da viele Verbraucher mit Blick auf den eigenen Geldbeutel zunehmende Skepsis gegenüber den vollkommenen Marktmechanismen äußern.