Wirtschaftsrat setzt Merz unter Druck: Führungsstärke vermisst

Die Chefin des Wirtschaftsrats, Astrid Hamker, verlangt von Kanzler Friedrich Merz mehr Durchsetzungswillen an der politischen Spitze.

heute 13:59 Uhr | 4 mal gelesen

Astrid Hamker, Präsidentin des CDU-Wirtschaftsrats, legt den Finger in die Wunde: Sie erwarte von Bundeskanzler Friedrich Merz eindeutig mehr Führungskraft. "Gerade von einem Bundeskanzler wünsche ich mir stärkeren Kurs und klare Ansagen in politisch schwierigen Fahrwassern", sagte sie gegenüber Focus. Sie meint, Merz solle seine Richtlinienkompetenz ernst nehmen – und auch durchsetzen. Die derzeitige Koalition, so Hamker weiter, wirke bislang zu uneinig, was das Land hemme. "Wenn nun bald die Reformen kommen, könnte sich dieses negative Bild doch noch zum Positiven wenden", räumt sie ein, jedoch ist ihre Bewertung der ersten Regierungsjahre eher ernüchtert als optimistisch. Die vielen versprochenen Reformvorhaben sieht sie noch kaum umgesetzt. Hamker spart auch bei der Einschätzung von Merz’ innenpolitischer Arbeit nicht mit Kritikpunkten. Die Koalitionsführung sei höchstens "befriedigend". Merz besitze zwar klaren Rückhalt, setze sich jedoch zu wenig gegen den aus ihrer Sicht schwächeren Koalitionspartner SPD durch. Beim außenpolitischen Agieren stellt Hamker Merz hingegen ein sehr gutes Zeugnis aus: Deutschland sei international wieder präsent – das sei vor allem sein persönlicher Verdienst.

Astrid Hamker, Vorsitzende des CDU-Wirtschaftsrats, nimmt Bundeskanzler Friedrich Merz scharf ins Visier, was die Führung und Umsetzung politischer Vorhaben betrifft – insbesondere, was die stockenden Reformen und die schlechte Koalitionsführung anbelangt. Sie bemängelt die Entwicklung im Inland, lobt aber die außenpolitische Positionierung Deutschlands unter Merz. In aktuellen Berichten wird zusätzlich diskutiert, dass Merz in letzter Zeit zwar wiederholt Führungswillen signalisiert, aber teils an Widerständen in den eigenen Reihen und an der schwierigen Kompromissfindung mit der SPD scheitert. Laut jüngsten Artikeln gibt es im Wirtschaftsflügel der CDU zunehmend Unmut über den langsamen Reformkurs und mangelnden Konsens. In internen Kreisen wird hinter vorgehaltener Hand auch die kommunikative Strategie von Merz als zu zerfasert kritisiert; laut FAZ etwa befeuern Querelen rund um Industriepolitik den Druck auf die Führungsspitze. Die gesellschaftliche Debatte um Führungsqualitäten deutscher Spitzenpolitiker bekommt dadurch neue Nahrung und wird unter anderem im Spiegel und in der Süddeutschen gerade hitziger geführt.

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