Hager: "Wir geben nicht nur ab, sondern bleiben im Team"
Florian Hager betont: "Im hr haben wir schon jetzt einen Stab aus mehreren Schultern gebildet, Radio Bremen ist seit Beginn eng eingebunden – das ist nicht mehr die übliche 'Einzelshow' eines Hauses. Diese neue Rollenverteilung erwies sich als sinnvoll. Dass wir 2027 die Aufgaben umdrehen und Bremen vorne steht, schließt den Kreis. Gerade jetzt, wo ständig neue Herausforderungen aufpoppen, braucht es ein eingespieltes, flexibles Miteinander."
Gerner: "Kooperation ist kein Lippenbekenntnis"
Yvette Gerner unterstreicht: "In Umbruchzeiten rettet uns keine Solonummer, sondern die Stärke des Verbunds. Zwei Jahre enger Arbeit haben gezeigt: Die Mischung aus gemeinsamer Verantwortung bringt neue Sichtweisen und trägt im föderalen System weiter. Ich freue mich darauf, zusammen mit hr und dem Rest der ARD unseren Kurs weiter steuern zu können."
Staffelstab bleibt in Bewegung
Nach aktuellem Stand bleibt der ARD-Vorsitz ab 2028/29 voraussichtlich beim NDR. Die engen Kooperationen zwischen den Sendern – noch verstärkt durch den neuen Staatsvertrag – sollen die Kontinuität sichern. Neben Bremen und hr ist auch der Norddeutsche Rundfunk als Unterstützer dabei. Die Gremienvertreterkonferenz (GVK) bleibt unter der Schirmherrschaft von Bremen und Klaus Sondergeld als Vorsitzendem des Rundfunkrats
Ausbau der koordinierenden Strukturen
Der neue ARD-Staatsvertrag verlangt, dass ein gemeinsames Büro – künftig ARD-Geschäftsstelle in Berlin – sämtliche Vorsitzperioden stützt. Das Ziel: Know-how, das beim Übergang nicht verloren geht. Auch die Kommunikation der ARD wird in Zukunft zentral aus dieser Geschäftsstelle gesteuert, das schafft Routine und weniger Brüche bei den Wechseln.
ARD zählt samt der Deutschen Welle und neun regionalen Anstalten zu den wichtigsten medialen Institutionen Deutschlands. Der Vorsitz ist immer auch gesamtverantwortlich für alle Kernentscheidungen. Intendant*innen sowie Vertretungen der Räte bilden die Hauptversammlung.
Mit dem Wechsel des ARD-Vorsitzes 2027 übernimmt erstmals nach zwei Jahren wieder Radio Bremen die Führung, was die neue Praxis einer verstärkten Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterstützung in der ARD fortsetzt. Der Vorsitzende ist traditionell für die Geschäftsführung und die Außenvertretung der ARD zuständig, aber mittlerweile sorgt eine arbeitsteiligere Organisation durch den neuen Staatsvertrag für mehr Kontinuität und unterschiedliche Perspektiven im föderalen System der Rundfunkanstalten. Yvette Gerner, die designierte Vorsitzende, steht für einen integrativen Kurs, bei dem kleinere Sender wie Radio Bremen stärker mitgestalten können – begleitet von strukturellen Neuerungen wie der neuen, gemeinsamen Geschäftsstelle in Berlin, die für organisatorische Beständigkeit sorgen soll. In den letzten Tagen berichteten verschiedene Medien intensiv über Reformüberlegungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, etwa angesichts von Forderungen nach Transparenz, Sparkursen und zielgerichteterer Nutzung von Gebührenmitteln. Auch wurde thematisiert, wie der ARD-Reformprozess europaweit beobachtet wird und inwieweit er Vorbildcharakter für andere öffentlich-rechtliche Modelle haben könnte, da insbesondere kleinere ARD-Häuser wie Radio Bremen nun mehr Gewicht erhalten. Experten und Kommentatoren heben hervor, dass die Herausforderungen – Transformation ins Digitale, Glaubwürdigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz – nur in enger Zusammenarbeit und mit verteiltem Verantwortungsbewusstsein bewältigt werden können. Der neue Vorsitz wird auch daran gemessen werden, wie souverän und kreativ man der wachsenden Konkurrenz aus privaten und internationalen Medien entgegentritt.