Manfred Weber holte – ganz ohne diplomatische Umschweife – zu einem bemerkenswerten Appell aus. "Kein anderes Land darf Europa eine nukleare Drohung vor die Nase halten, während wir schutzlos sind. Europa muss zur Atommacht werden", sagte er mit Nachdruck. Nur wenn der Kontinent selbst über Atomwaffen verfüge, könne man eine wirklich unabhängige Verteidigung aufbauen. Die sich wandelnde Weltlage bereitet Weber offenbar Kopfzerbrechen, zumal Donald Trump – sollte er erneut US-Präsident werden – die NATO-Unterstützung offenkundig für weniger selbstverständlich hält als früher. "Einfach nur hoffen, dass schon alles gut geht – das reicht eben nicht mehr", sagt Weber nahezu lakonisch. Angesichts des russischen Drucks auf die Ukraine und verschärfter Unsicherheiten wird auch aus seinen Worten eine deutliche Unruhe spürbar. Europa müsse laut Weber jetzt das Angebot von Frankreichs Präsident Macron aufgreifen, der schon eine gemeinsame Atomstrategie angeregt hatte. "Das ist eine konkrete Chance. Aber sollte Frankreich politisch instabil werden, muss Europas Atomwaffe auf viele Schultern gestellt werden – mit gemeinsamer Kontrolle, Kommandostrukturen und Finanzierung." Am Ende läuft es auf einen europäischen Atomschirm hinaus, hinter dem mehr steckt als reine Symbolpolitik.
Weber warnt eindringlich davor, dass Europa sich einfach auf bestehende Sicherheitsstrukturen verlässt und plädiert für einen großen Verteidigungssprung nach vorne: eine europäische Atommacht, angedockt an Frankreichs Kapazitäten, mit geteilter Kontrolle und Entscheidungsgewalt. Ein derartiger Schritt, aktuell durchaus kontrovers diskutiert, würde allerdings nicht nur binnenpolitische Grabenkämpfe über Souveränität und nationale Eigenständigkeit auslösen, sondern auch die transnationalen Beziehungen zu den USA und anderen NATO-Partnern empfindlich berühren. Ergänzend dazu belegen aktuelle Debatten in Europa – angestoßen durch Trumps Positionierungen und den anhaltenden Ukraine-Konflikt – dass das Thema atomare Abschreckung und neue Verteidigungskonzepte längst kein Tabu mehr ist, sondern konkret diskutiert wird. Aktuelle Medienanalysen unterstreichen, wie groß der Handlungsdruck in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik angesichts eines sich wandelnden geopolitischen Machtgefüges tatsächlich ist, von hybriden Bedrohungsszenarien bis hin zu Unsicherheiten innerhalb der NATO-Strukturen selbst.