Sophie Koch fordert eine grundlegende Überarbeitung des Abstammungsrechts, sodass beispielsweise lesbische Paare rechtlich direkt als Mütter anerkannt werden können – und das ganz ohne bürokratische Umwege. Ein weiterer zentraler Punkt für sie: Artikel 3 des Grundgesetzes soll endlich die explizite Erwähnung von sexueller Orientierung erhalten. Sie erinnert daran, dass Menschen noch bis weit in die 1990er-Jahre hinein unter diesem Grundgesetz aufgrund ihrer sexuellen Identität verfolgt worden seien. Großen Wert legt Koch außerdem auf das Selbstbestimmungsgesetz, das es trans*, inter* und nicht-binären Menschen erlaubt, ihren Vornamen und Personenstand einfacher ändern zu lassen. Als großen Schritt für mehr Freiheit und Anerkennung verteidigt Koch das Gesetz entschlossen gegen politische Gegenstimmen – das Gesetz gefährde keine Frauenrechte, wie Kritikerinnen gelegentlich behaupten. Trotz Fortschritten warnt Koch: Die Zahl queerfeindlicher Straftaten nimmt zu, der gesellschaftliche Ton wird schärfer. Ausgerechnet jetzt, in der CSD-Saison, sieht Koch die Sichtbarkeit wichtiger denn je; eine wachsende Beteiligung auch von jenen, die sich bislang ferngehalten haben, stimmt sie hoffnungsvoll. Mit deutlichen Worten wendet sie sich gegen die Entscheidung Dresdens, dortige CSD-Teile nicht mehr politisch einzustufen – Vielfalt und Protest gehörten zur DNA der Bewegung. Und dann war da noch der viel diskutierte Insta-Post: Koch, keine Spur von Zurückrudern, sagt, sie habe damit aufzeigen wollen, dass sich Frauen- und Transrechte nicht gegeneinander ausspielen lassen. Persönliche Differenzen mit Familienministerin Karin Prien? Sie winkt ab – politische Debatte sei völlig normal. Ein Gespräch ist bereits vereinbart.
Die Queer-Beauftragte Sophie Koch drängt zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie auf weitreichende Reformen: Sie fordert eine Modernisierung des Abstammungsrechts, um lesbische Eltern von Geburt an gleichzustellen, und eine explizite Aufnahme sexueller Orientierung als Schutzkriterium im Grundgesetz. Das Selbstbestimmungsgesetz sieht sie als wichtige Errungenschaft im Kampf für queere Rechte, das allen queeren Menschen ihre Identität sichern soll, ohne andere Gruppen zu benachteiligen. Gleichzeitig warnt Koch vor wachsender Queerfeindlichkeit und betont die anhaltende Notwendigkeit von CSDs, während sie für politischen Protest auch in schwierigen Zeiten einsteht.
Zu den aktuellen Entwicklungen: In den letzten Tagen wurde öffentlich, dass die CSD-Saison dieses Jahr durch zahlreiche Demonstrationen und steigende Teilnehmendenzahlen geprägt ist. Übergriffe auf queere Menschen sind zuletzt bundesweit angestiegen und werden verstärkt thematisiert (u.a. durch Berichterstattung über Angriffe in Berlin und Düsseldorf). Immer mehr Bundesländer planen Gesetzesänderungen, um explizit die sexuelle Identität im Grundrechtsschutz zu verankern, was auch von großen Teilen der Zivilgesellschaft unterstützt wird. Ebenso wurde in der Presse viel über die Differenzen und Debatten innerhalb des politischen Spektrums berichtet, wobei Konsens über die Notwendigkeit von Reformen, aber Dissens über das Tempo und die Ausgestaltung herrscht.