Die Doku um Roman Signer nimmt den Zuschauer mit auf eine kauzige Expedition quer durch Europa, zieht Grenzlinien zwischen Reisedoku und Kunstreflexion, und lässt viel Freiraum für Interpretation – oder, ehrlicher gesagt, auch für leichte Verwirrung. Die künstlerische Methode, das Spontane willkommen zu heißen und das scheinbar Banale zur Bühne zu machen, prägt nicht nur Signers Werk, sondern auch die Ästhetik der Dokumentation: da wird nichts aufgebauscht, nichts überinszeniert. Gleichzeitig wirkt der Film nach, weil er sich einer eindeutigen Deutung entzieht und den Blick für die feinen, unbemerkten Irritationen des Alltags schärft. (Weitere Recherche/Updates): Roman Signer gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Prozesskunst und ist insbesondere für seine „Zeitskulpturen“ bekannt, die häufig mithilfe von physikalischen Experimenten und Alltagsobjekten entstehen. Sein Werk wurde im Juni 2024 zuletzt im Kunstmuseum St. Gallen gezeigt, wo neue Installationen das Moment des Zufalls in den Mittelpunkt rückten. Diskussionen über die Herausforderung, Kunst in einer zunehmend digitalisierten, schnellen Welt mit Stille und Zögerlichkeit zu gestalten, wurden jüngst im Feuilleton der Süddeutschen und bei den Krautreportern aufgegriffen: Hier wird Signer häufiger als „Chronist des Unvollendeten“ zitiert – eine Zuschreibung, die zum dokumentarischen Stil der 3sat-Produktion hervorragend passt.