Der Jung-Preis für Medizin 2026 geht an Rohini Kuner, Pharmakologin an der Universität Heidelberg. Den Jung-Karriere-Förderpreis bekommt Fiona Kolbinger vom Dresdner Uniklinikum. Die Jung-Medaille in Gold erhält Taroh Kinoshita von der University of Osaka. Was alle drei eint, ist der Wille, Therapien und Diagnostik auf ein neues Level zu heben.
Schmerzforschung: Rohini Kuner erhält den Medizin-Preis 2026
Professorin Kuner (55) widmet sich am Pharmakologischen Institut Heidelberg der Frage, wie sich Nervenzellen unter Dauerreizen verändern und wie daraus chronische Schmerzen entstehen—quasi, wie Körper und Geist Schmerz regelrecht "lernen" und speichern. Mit ihrem Team beleuchtet sie die neuronale Plastizität, also die Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen. Neu gewonnene Erkenntnisse eröffnen dabei neue, gezieltere Therapieoptionen für Betroffene. Für diesen Beitrag zur Schmerzwissenschaft winken ihr 300.000 Euro Preisgeld.
Ursprünglich aus Indien, durchlief Kuner eine spannende Forschungslaufbahn mit Stationen in den USA und seit nun fast 30 Jahren in Heidelberg. Ihre Begeisterung für praktische Forschung im Labor bleibt auch als etablierte Wissenschaftlerin ungebrochen. Sie leitet aktuell ein großes Forschungsprojekt an der Schnittstelle von Biologie und Medizin—und genießt, so sagt sie, die intensive Teamarbeit.
KI-Revolution in der Tumorchirurgie: Fiona Kolbinger wird Jung-Karriere-Preisträgerin
Als junge Ärztin und Forscherin bringt Dr. Fiona Kolbinger (30) frischen Wind in die Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie in Dresden. Ihr Thema: Wie lässt sich mithilfe von KI und Datenanalysen die Krebschirurgie, konkret die chirurgische Behandlung von Darmkrebs, sicherer und effizienter gestalten? Durch komplexe Modellierungen sucht Kolbinger nach Ursachen für Komplikationen bei Krebsoperationen, um Eingriffe künftig besser vorbereiten und Komplikationen verringern zu können. Dafür gibt es von der Jung-Stiftung 210.000 Euro als Anschub.
Kolbinger steht für wissenschaftliche Vernetzung—sie arbeitet sowohl in Dresden als auch an der Purdue University in den USA mit multidisziplinären Teams zusammen. Ihr Credo: Wege abseits des Bekannten können zum Ziel führen. Dieser Mut zahlt sich offenbar aus.
Seltene Krankheiten im Blick: Taroh Kinoshita erhält die Jung-Goldmedaille
Professor Kinoshita (74) von der Uni Osaka gilt als Koryphäe in der Erforschung seltener Erkrankungen. Ihm verdanken wir ein besseres Verständnis über die Biosynthese der sogenannten GPI-Anker, die dafür sorgen, dass bestimmte Proteine an Zellmembranen verankert werden. Seine jahrzehntelange Arbeit half, bisher kaum erklärbare Krankheiten zu entschlüsseln und ermöglicht heute neue Diagnose- und Therapieansätze. Als Anerkennung für sein Lebenswerk geht die Goldmedaille – samt Förderung für den Forschungsnachwuchs – nach Japan.
Auch nach dem offiziellen Rückzug aus der Forschung bleibt Kinoshita dem Nachwuchs eng verbunden und teilt seine Erfahrung.
50 Jahre Jung-Preis: ein Jubiläum
Die jährlichen Medizinpreise der Hamburger Jung-Stiftung sind seit 1976 eine Institution—heuer bereits zum 50. Mal. Das wird mit einem Festakt im Hamburger Rathaus und einem Senatsempfang gefeiert. Mehr dazu auf Anfrage beim Pressekontakt MuthKomm GmbH.
Die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung hebt sich seit Jahrzehnten mit ihren weitreichenden Preisen hervor und setzt Impulse für klinische und translationale Forschung mit echtem gesellschaftlichem Mehrwert. Im Jahr 2026 würdigt sie mit Rohini Kuner eine Pionierin, die mit ihren Ansätzen zur neuronalen Plastizität die Chronifizierung von Schmerzen besser verständlich macht und Therapie-Hoffnung schenkt. Fiona Kolbinger bringt frische Dynamik in die Krebschirurgie durch KI-gestützte Modellierungen und bettet ihre Methoden in interdisziplinäre Netzwerke ein, die nationale und internationale Brücken schlagen. Und schließlich Taroh Kinoshita, dessen Lebenswerk grundlegende Mechanismen in der Zellbiologie aufgedeckt hat und so besseres Verstehen seltener Krankheiten erlaubt—wodurch langfristig mehr passgenaue Therapien möglich sind.
Ergänzende Recherche: In den letzten 48 Stunden gab es im Wissenschaftsjournalismus kaum vergleichbare Preisverleihungsnachrichten, wohl aber lebhafte Diskussionen über Innovationsdruck und Förderlandschaften in der Medizin. Die Rolle von KI wird zunehmend kritisch betrachtet, weil medizinische Datensensibilität, Bias-Probleme und regulatorische Hürden immer wieder für Diskussionsstoff sorgen. Das 50-jährige Bestehen der Jung-Stiftung reiht sich ein in einen internationalen Trend, Wissenschaftler:innen nicht nur an Forschungsleistungen, sondern auch an gesellschaftlicher Wirkung zu messen—was gerade in der Schmerzforschung und in der personalisierten Diagnostik, wie sie im Artikel beschrieben wurde, immer wichtiger wird.