Wenn man es nüchtern betrachtet, gibt es, so Hüther, nur drei zentrale Möglichkeiten, an denen der Gesetzgeber bei der gesetzlichen Rentenversicherung Änderungen vornehmen kann: Beiträge, Rentenniveau oder eben das Renteneintrittsalter. Der Ökonom hält daher die aktuellen Vorschläge nicht für revolutionär, sondern einfach logisch und längst überfällig. Besonders die Aussicht auf ein höheres Rentenalter wird von Hüther begrüßt – schließlich würden damit längere Beitragszeiten entstehen, was die Kassen entlastet, ohne die Beiträge noch weiter anzuziehen. Zusätzlich sieht er in der staatlichen Förderung privater Vorsorge einen fairen Ausgleich, vor allem für die jüngeren Generationen, die noch ausreichend Zeit zur Anpassung hätten. In ähnlichem Tenor meldete sich auch Marcel Fratzscher vom DIW – für ihn ist die Rente mit 70 auf Dauer unausweichlich, nötige Rentenkürzungen inklusive. Gleichzeitig warnt Fratzscher aber davor, die wachsende soziale Ungleichheit zu ignorieren: Schließlich leben Menschen mit niedrigen Einkommen statistisch kürzer und erleiden bereits jetzt größere Altersarmut. Besonders eine weitere Senkung des Rentenniveaus für Geringverdiener hält er für fatal. Laut Medienberichten denkt die Rentenreform-Kommission aktuell über ein Rentenalter von 70 ab 2061 und eine Senkung des Rentenniveaus ab 2031 nach – wobei es Unstimmigkeiten und bereits erste Dementis aus Kommissionskreisen gibt.
Die Debatte um die Zukunft der gesetzlichen Rente flammt erneut auf: Die steigende Lebenserwartung und eine alternde Gesellschaft setzen das System zusehends unter Druck. Während Arbeitgeberverbände wie das IW und viele Wirtschaftsexperten eine schrittweise Anhebung des Rentenalters als unvermeidbare Konsequenz der demografischen Entwicklung propagieren, stoßen diese Pläne insbesondere bei Gewerkschaften und Sozialverbänden auf Widerstand, da sie die Gefahr einer weiter steigenden Altersarmut sehen. Nicht zuletzt stehen politische Entscheidungsträger vor der schwierigen Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen finanzieller Tragfähigkeit, sozialer Gerechtigkeit und Akzeptanz in der Bevölkerung zu finden – begleitet von einer hitzigen öffentlichen Diskussion, die regelmäßig neu entfacht wird.