Großhagel: Zunahme in Europa, globale Unterschiede

Wiener Neustadt, Österreich – Eine neue, bislang einzigartige Studie nimmt gewaltige Hagelkörner ins Visier und zeigt: Europa erlebt einen bemerkenswerten Anstieg, während andere Regionen entgegengesetzte Entwicklungen aufweisen.

heute 11:02 Uhr | 3 mal gelesen

Es ist schon bemerkenswert, wie selten wirklich große Hagelkörner – gemeint sind Brocken mit mehr als fünf Zentimetern Durchmesser – bislang weltweit systematisch untersucht wurden. Genau das haben nun Forscher aus Europa gewagt und Trends der letzten drei Jahrzehnte unter die Lupe genommen. Südamerika, die Vereinigten Staaten und Südafrika bleiben Hotspots für extremen Hagel, doch gerade Europa hebt sich mit einer überraschenden Häufung hervor. Der Süden der Erde hingegen verzeichnet streckenweise sogar ein Rückgang dieser Wetterextreme. Maßgeblich verantwortlich: Schwankungen in der Feuchtigkeit nahe der Erdoberfläche. Allein mit meteorologischen Erklärungen ist das zunehmende Schadensausmaß aber nicht zu fassen – so simpel ist es dann doch nicht. Der Hauptgrund für steigende Verluste in Europa und auch in veränderten Regionen der USA oder Australiens liegt oft darin, dass wir immer mehr wertvolle Dinge, Gebäude und Infrastruktur in gefährdeten Gebieten aufstellen – und davon lässt das Unwetter wenig unbeeindruckt. Der Bericht, erschienen in Nature Geoscience, stammt aus der Feder eines internationalen Forscherteams des European Severe Storms Laboratory (ESSL), der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań sowie von Munich Re, einem großen Rückversicherer.

Die Studie des ESSL nimmt zum ersten Mal die großflächige Entwicklung von sehr großen Hagelereignissen (größer als 5 cm) unter die Lupe und kommt zu dem Schluss, dass Europa die stärkste Zunahme seit 1950 verzeichnet, während südliche Regionen teils mit abnehmenden Zahlen konfrontiert sind. Interessanterweise zeigt sich, dass gestiegene Schäden nur in Teilen auf das Wetter zurückzuführen sind: Entscheidender ist oft die wachsende Bebauung und verletzlichere Infrastruktur – insbesondere in Ballungsräumen. Neue Recherchen aus aktuellen Leitmedien wie der FAZ oder Zeit bestätigen, dass extreme Wetterereignisse in Europa weiter zunehmen und die Kombination aus Klimawandel und steigender Urbanisierung das Schadenspotenzial insgesamt erhöht.

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