Statine sind, nüchtern betrachtet, ein echter Klassiker der Herzmedizin – beliebt, bewährt, aber berüchtigt für ihre langen Listen an möglichen Nebenwirkungen. Gerade Menschen nach Herzinfarkt oder mit anderen Risikofaktoren greifen oft zu den Tabletten, doch nicht selten schwingt ein mulmiges Gefühl mit. Jetzt hat ein Team um internationale Forschende ganze 19 doppelblinde, randomisierte Studien noch einmal unter die Lupe genommen. Heraus kam dabei etwas, was vielen vermutlich den Kopf verdreht: Von 66 offiziell genannten Nebenwirkungen zeigten nur Muskelsymptome und ein leicht erhöhtes Diabetes-Risiko sowie wenige andere tatsächlich einen statistischen Unterschied zu Placebo. Das ist – Hand aufs Herz – weniger schlimm, als es der Beipackzettel vermuten lässt. Für den Rest der Beschwerden, darunter Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme oder auch Libidoverlust, war der Abstand so klein, dass es fast wie ein schlechter Witz wirkt: Diese kamen in Placebo-Gruppen genauso oft vor wie unter Statin-Einnahme. Eben jenes Detail aber könnte enorm wichtig werden – immerhin überlegen viele, ihre Therapie abzubrechen, sobald die Nebenwirkungen überhandnehmen. Laut Prof. Ulrich Laufs aus Leipzig sollte die Auflistung im Beipackzettel künftig viel stärker an solide Studien angeschlossen sein, nicht an bloße Verdachtsmomente oder Einzelberichte. Das würde nämlich nicht nur Verunsicherung abbauen – sondern vermutlich auch die Therapietreue stärken. Schließlich sind Statine aus medizinischer Sicht weiterhin Gold wert, um das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen zu senken. Mein persönlicher Eindruck? Es ist erstaunlich, wie sehr Wahrnehmung und Realität manchmal auseinanderklaffen – vermutlich auch, weil Schilderungen von Nebenwirkungen sich wie Blitze im Gewitter verbreiten und das Risiko überzeichnen.
Eine aktuelle Meta-Analyse, veröffentlicht in "The Lancet", hat die Daten von fast 124.000 PatientInnen aus den letzten Jahren neu ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Die meisten angeblichen Nebenwirkungen von Statinen lassen sich unter streng wissenschaftlichen Bedingungen nicht bestätigen, wenn ein Placebo direkt gegenübergestellt wird. Nur einige wenige, darunter Muskelsymptome und ein leicht erhöhtes Diabetes-Risiko, sind wirklich messbar häufiger. Viele Beschwerden, die in den Beipackzetteln oder im Internet kursieren, unterscheiden sich in der Häufigkeit nicht signifikant von Placebo-Effekten – insbesondere neurologische oder psychische Symptome wie Gedächtnisstörungen oder Schlafprobleme. Neue Recherchen zeigen, dass weltweit diskutiert wird, wie Beipackzettel formuliert sein müssen, um Nocebo-Effekten vorzubeugen und Menschen nicht unnötig zu verunsichern. Die Europäische Arzneimittel-Agentur prüft, wie Fachinformationen an größere Datenanalysen angepasst werden können, und ÄrztInnen sprechen sich zunehmend dafür aus, Patienten stärker über das tatsächliche Risiko aufzuklären und so die Adhärenz zu fördern. Hinzu kommt: Laut Daten des Deutschen Herzzentrums und internationaler Initiativen kann eine individuell abgestimmte Behandlung die Lebensqualität und Prognose spürbar verbessern – gerade, wenn Patientinnen und Patienten die Vorteile kennen und unbegründete Ängste ablegen.