Rettung der Apotheken: Bürgerinitiative will Politik zum Handeln bringen

Die Apotheken in Nordrhein schlagen Alarm und fordern mit einer Online-Petition entschlossenes Handeln der Bundesregierung: Es geht nicht weniger als um das Überleben der wohnortnahen Arzneimittelversorgung – und damit um eines der letzten Netzwerke, die auch in der Nacht noch für die Menschen da sind. Wer auf eine Apotheke um die Ecke nicht verzichten möchte, sollte sich jetzt solidarisieren.

heute 11:00 Uhr | 4 mal gelesen

Wissen Sie, bei all den Dingen, die im Alltag schnell untergehen, ist es fast schon absurd: Plötzlich stehen immer mehr Apotheken mit dem Rücken zur Wand. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hat passenderweise die Petition „Apothekensterben stoppen – Koalitionsvertrag jetzt umsetzen!“ ausgerollt – und genau dort hakt es: Der Koalitionsvertrag macht Versprechen, die Honorare und Rahmenbedingungen wirklich zu verbessern, aber umgesetzt? Bislang Fehlanzeige. Die Rolle, die Apotheken tagtäglich übernehmen, ist kaum zu überschätzen: Sie sind nicht nur Abgabestellen für Medikamente. Sie filtern Wechselwirkungen heraus, erklären Dosierungen – und stehen mit Rat und Notdienst bereit, lange nachdem die letzte Praxis geschlossen hat. Besonders Familien, Ältere oder Menschen mit Mobilitätsproblemen sind darauf angewiesen, dass vor Ort stets eine helfende Hand verfügbar bleibt. Ganz ehrlich: Digitalisierungsprojekte schön und gut, aber was bringt der schönste eRezept-Prozess, wenn niemand mehr vor Ort ist? Das Kernproblem zieht sich durch wie ein roter Faden: Gebühren für die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneien – im Ernst, seit 2013 nicht angehoben! Die Ausgaben für Miete, Personal, Energie? Sie schießen davon, Jahr für Jahr. Rund 20 Prozent Apotheken weniger seit 2013 – das ist nicht nur eine traurige Statistik, das ist spürbar im Alltag, auch schon in Städten. Dr. Armin Hoffmann und Thomas Preis, deren Zitate in letzter Zeit häufiger auftauchen, bringen es immer wieder auf den Punkt: Ohne eine solide wirtschaftliche Basis hinkt das ganze System. Die aktuelle Reform ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Gefordert wird daher ein flexibles, regelmäßiges Update des Honorars, das die echte Kostenentwicklung abbildet – quasi ein Inflationsausgleich, wie er woanders selbstverständlich ist. Schließlich ist die Petition kein Selbstzweck. Hier geht es um die Frage: Wollen wir weiterhin Apotheken als Partner direkt in der Nachbarschaft, oder nehmen wir längere Fahrten, Lieferzeiten und Unsicherheiten immer häufiger in Kauf? Wer sich engagieren will, kann dies ganz einfach über openpetition.de tun. So schnell kann Bürgerbeteiligung gehen – ein Minuten-Invest und vielleicht ein Beitrag für die eigene Versorgung von morgen.

Deutschlandweit geraten immer mehr Apotheken wirtschaftlich unter Druck. Hauptursache: Das staatlich regulierte Apothekenhonorar wurde seit über zehn Jahren nicht an die Kostensteigerungen angepasst, während seit 2013 etwa jede fünfte Apotheke schließen musste. Auch in aktuellen Berichten etwa im SPIEGEL, der FAZ und anderen überwiegt der Tenor, dass die Situation sich zunehmend zuspitzt – insbesondere angesichts gestiegener Personal- und Energiepreise, zusätzlicher Bürokratie und den Herausforderungen durch die Digitalisierung. Die Petition fordert besonders eine regelmäßige, automatische Anpassung des Apothekenhonorars und warnt davor, dass andernfalls ganze Regionen von einer unterversorgten Arzneimittelstruktur bedroht sind. Dabei ist die Bedeutung der Apotheken gerade für vulnerable Gruppen immens: Sie bieten niedrigschwelligen Zugang, Beratung, Notfalldienste und verhindern so, nicht selten, gravierende gesundheitliche Komplikationen. Experten sehen darin nicht nur eine Frage der Standortsicherheit, sondern auch einen sozialen Kitt, der gerade in dünn besiedelten Gebieten unersetzlich ist. Inzwischen mehren sich Forderungen nach einem gesamten Neustart der Vergütungsstruktur – eine reine Einmalerhöhung wird von Experten als Flickschusterei betrachtet.

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