Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine hat sich das sicherheitspolitische Klima grundlegend geändert – die Zeitenwende ist mehr als nur eine Worthülse geworden. Nur wenige Kilometer entfernt von Belarus stehen nun deutsche Soldatinnen und Soldaten in Litauen. Insgesamt werden zukünftig rund 5.000 Männer und Frauen deutscher Herkunft das Leben im Baltikum mitprägen. Erst vor kurzem sind 350 Angehörige einer nordhessischen Einheit angekommen, darunter die Jäger aus Schwarzenborn, die nun für ein halbes Jahr die Führungsrolle übernehmen. Ihre Spezialgebiete: urbaner Häuserkampf, Bewegung im dichten Wald, aber auch der Einsatz von Panzern oder das Überqueren von Flüssen mit Schlauchbooten – eine seltsame Mischung fast schon. Für die Soldatinnen und Soldaten ist dies meist der erste längere Auslandseinsatz fern der gewohnten Heimat. Ihre Gefühle? Unsicherheit, Vorfreude, Respekt – je nachdem, wen man fragt, klingt es ganz unterschiedlich. Parallel dazu entsteht in Vilnius für die Kinder der langen Dienstreisenden eine deutsche Schule – ein Stück Heimat, das Monika Arens aus Bad Homburg mit viel Herzblut betreut. hr-Reporter Jochen Schmidt, eigentlich mehr im mittelhessischen Hinterland unterwegs, hat die Truppe unter Oberstleutnant Sebastian Hagen begleitet. Nah dran, mit Interviews, spontanen Gesprächen – manchmal fast schon wie ein Teil der Gruppe. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass hier tatsächlich Geschichte geschrieben wird. Zeitenwenden fühlen sich oft weniger spektakulär an, als sie später in Büchern stehen.
Mit der dauerhaften Präsenz der Bundeswehr in Litauen beteiligt sich Deutschland führend an der NATO-Verteidigung gegenüber Russland – ein sichtbares Zeichen der sicherheitspolitischen Neuausrichtung, die Olaf Scholz als „Zeitenwende“ bezeichnet hat. In dem Beitrag zeigt sich nicht nur, wie sich der Alltag für die Soldatinnen und Soldaten gestaltet, sondern auch, wie sehr die Stationierung das Familienleben und das Bildungssystem der Bundeswehr-Familien beeinflusst. Ergänzend wird aus aktuellen Medienberichten (z.B. taz, FAZ, Spiegel) deutlich, dass die Präsenz der Bundeswehr an der NATO-Ostflanke politisch diskutiert wird, vor allem in Bezug auf die Einsatzbereitschaft, Versorgung, und eine notwendige bessere militärische Abstimmung mit den baltischen Staaten; darüber hinaus sind in letzter Zeit Debatten über die Akzeptanz in der litauischen Bevölkerung sowie infrastrukturelle Herausforderungen und die Rolle dieser Stationierung im gesamtnordeuropäischen Sicherheitsgefüge stärker in den Fokus geraten.