Eigentlich hatte alles darauf hingedeutet, dass die USA – wie schon so oft in den letzten Jahren – die Muskeln spielen lassen würden. Doch in einer, sagen wir mal, bemerkenswerten Kehrtwende hat Trump persönlich das für den heutigen Abend vorgesehene Bombardement abgesagt. Er ließ via Truth Social verlauten, dass die Gespräche mit der iranischen Führung bis ganz nach oben geführt und dort sogar abgesegnet wurden – klingt fast, als hätte man im letzten Moment gemeinsam Luft geholt und die Reißleine gezogen.
Trump betonte außerdem, dass sämtliche Verhandlungsergebnisse nicht nur von den USA und Israel, sondern auch von einer erstaunlich langen Liste regionaler Akteure akzeptiert wurden: Saudi-Arabien, die Emirate, Katar, Türkei, Pakistan, Bahrain, Kuwait, Jordanien, Ägypten. Man fragt sich fast, wer da am Verhandlungstisch noch den Überblick behalten hat. Etwas ruppig und ohne großes Brimborium verkündete Trump anschließend, dass die Seeblockade gegen den Iran bis zur Unterzeichnung eines endgültigen Deals weiterhin bestehen bleibt. Wann und wo das alles offiziell eingetütet wird – dazu will das Weiße Haus demnächst mehr sagen. Mal ehrlich: In diesen Tagen überrascht einen in der internationalen Politik eigentlich gar nichts mehr.
Trump hat also in letzter Minute auf die Bremse getreten und einen massiven Militärschlag gegen den Iran ausgesetzt. Offenbar war der diplomatische Drahtseilakt erfolgreich genug, dass sich Hochrangige auf beiden Seiten zumindest auf vorläufige Eckpunkte einigen konnten – das ist nicht unbedingt der Alltag im ohnehin angespannten Nahen Osten. Die Beibehaltung der Seeblockade zeigt aber auch: Von echter Entspannung kann noch lange keine Rede sein. Interessant am Rande: In mehreren aktuellen Berichten wird deutlich, wie sehr solche Entscheidungen das gesamte Gefüge in der Region beeinflussen. Zum Beispiel berichtete die FAZ heute über die Diskussionen in Israel und Saudi-Arabien zur wachsenden Unsicherheit; die Zeit beleuchtete das mediale Echo im Iran, wo die Staatsführung die Verhandlungen zu ihrem Erfolg stilisiert. Deutsche Welles Korrespondenten wiederum betonen in einer Analyse die anhaltende Unberechenbarkeit der US-Politik unter Trump – was sowohl Verbündete als auch Gegner zur Vorsicht mahnt.