Manchmal frage ich mich, ob der schmale Grat zwischen genialer Vision und schierer Illusion nicht oft übersehen wird – Carsten Maschmeyer sieht das beim geplanten Börsengang von SpaceX jedenfalls so. Er meint, die kühne Idee sei fast schon zur Halluzination geworden – ein Kommentar, der hängen bleibt. In einem Interview mit RTL und ntv legte Maschmeyer nach: SpaceX sei wie ein wilder Krämerladen zu sehr an Elon Musk als Person gebunden; dessen Launen und Alleingänge seien schlicht nicht einschätzbar. Gerade X habe viel Geld verbrannt. Die KI-Sparte hinke deutlich hinterher, und abgesehen von Starlink sei bei SpaceX finanziell wenig zu holen. Das Bewertungsziel von rund 1,75 Billionen Dollar hält Maschmeyer für total abgehoben. Schwingt da bewundernde Faszination oder eine Prise Fassungslosigkeit mit? Vielleicht beides, denn laut Maschmeyer geht es Musk ohnehin längst nicht mehr um Geld. Es sei Macht, die ihn umtreibe – „Weltherrschaft hat er auf gewisse Weise schon, jetzt will er das All.“ Ob das Übertreibung ist? Schwer zu sagen, aber der Gedanke bleibt im Kopf. Das größte Problem: Ein Konzern dieser Größe, der so sehr an eine Person gekoppelt ist, sei schlicht waghalsig – besonders bei Musks politischer Polterei und Ligaturen zu Rechtsstreitigkeiten aller Art. Trotzdem könne man sich als Gründer ein Scheibchen abschneiden, so Maschmeyer weiter: visionär denken, groß und mutig. Musk bringe die klügsten Köpfe der Welt zusammen und lasse sie fast grenzenlos arbeiten – sowas fehle in Europas Start-up-Landschaft, wo Gründer oft allzu zögerlich seien. Alles in allem tippt Maschmeyer, dass die Aktie zunächst steigen wird, doch nach Ablauf der Haltefristen im Herbst könnte sie unter den Emissionspreis rutschen. Denn, so seine Warnung: Wer zu viel erzählt und danach nichts einlöst, sorgt bei Anlegern für ein böses Erwachen. Dass genau das bevorsteht, klingt in Maschmeyers Worten fast schon wie ein düsteres Orakel.
Carsten Maschmeyers harsche Kritik an SpaceX' Börsenplänen stützt sich vor allem auf die enorme Abhängigkeit des Unternehmens von Elon Musk. Der Investor hält die angestrebte Bewertung von 1,75 Billionen Dollar für maßlos übertrieben und warnt vor überhöhten Erwartungen an das Geschäftsmodell, das – mit Ausnahme von Starlink – bisher wenig Profit generiert. Tatsächlich wird Musks vielfältige Rolle in seinen Unternehmen, gepaart mit seinem Hang zu polarisierenden Aussagen und politischen Engagements, in Medienberichten oft kritisch analysiert – bei aller Anerkennung für Musks Innovationskraft bleibt die Unsicherheit für Investoren hoch. Laut aktuellen Recherchen ist das Interesse an SpaceX am Markt enorm und viele Experten erwarten einen spektakulären Börsengang. Dennoch verweisen immer mehr Analysten auf die hohen Risiken sowohl in Bezug auf Musks Persönlichkeit als auch auf die Erwartungen an Konzernwachstum. Hinzu kommt, dass Zeitungen wie die FAZ und die Süddeutsche auf diese Schwankungen und Unsicherheiten hinweisen – vor allem, wenn der Kurs von Loyalität einzelner Großaktionäre und dem Ablauf von Lock-up-Fristen abhängig ist.