#dontlookaway: Joko & Klaas zeigen das echte Leben an der Kriegsfront – eine ungewöhnlich lange und schonungslose Doku aus der Ost-Ukraine

Statt gewohnter Kürze ziehen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf diesmal das Rampenlicht bewusst weg von sich selbst: Am Donnerstagabend räumten sie ihre erspielte Sendezeit auf ProSieben für Stimmen und Bilder aus dem Osten der Ukraine – und zwar nicht für 15 Minuten, sondern für mehrere Stunden. 'Was geschieht, wenn wir die Kameras einfach abgeben?' lautete die Frage und das Experiment. Was dabei entstand, ist eine Dokumentation, deren Direktheit ungewohnt ist – und die sich der Zuschauer nicht so leicht entziehen kann.

heute 09:41 Uhr | 14 mal gelesen

Sechs Menschen, sechs Lebenswelten, eine Front – #dontlookaway. Andriy arbeitet als Chirurg unter widrigsten Bedingungen in einer Luftlandebrigade, Bogdan koordiniert Freiwillige in Kramatorsk. Gennadiy, Polizeioberstleutnant, verantwortet mit seinem Team gefährliche Evakuierungen im Gebiet Donezk. Olha kämpft mit 'Parks of Kherson' auch um ganz Alltägliches wie Grünflächen, Dmytro beobachtet und meldet Bewegungen als Drohnenpilot und Vadim befragt sie alle. Die Idee: Keiner Filmemacher, kein ausgefeiltes Drehbuch – sondern Tagebuch eines Landes im Ausnahmezustand – gefilmt von denen, die aushalten müssen, was viele wegdrücken wollen. "Schaut nicht weg", ruft der Film auf. Knapp 10% der jüngeren Fernsehenden zwischen 14 und 49 schauten zu; in absoluten Zahlen sind es 2,88 Millionen über den gesamten Abend. Die ungewöhnliche Länge und das offene Format sind nur möglich, weil Joko & Klaas das härteste TV-Spiel Deutschlands gewinnen und ihre Sendezeit diesmal voll ausschöpfen.

Anders als viele Glanzlichter im Fernsehen lotet #dontlookaway die Grenzen erzählerischer Distanz aus: Die sechs Hauptpersonen geben intime Einblicke in ein Leben, dessen tägliche Bedrohung oft im Bann medialer Routinen verschwindet. Insbesondere hebt sich die Doku durch ihre Schonungslosigkeit hervor, indem sie Kriegsrealität aus erster Hand zeigt – und, fast beiläufig, die Normalität abbildet, die Menschen trotzig behaupten. Auffällig ist zudem: Obwohl Joko & Klaas zunächst für lockere Unterhaltung stehen, transformieren sie mit solcher Aktion ihr Format zu Plattform stiller Stimmen und gesellschaftlicher Verantwortung. Ergänzung (Stand 7. Juni 2026): Die Dokumentation verursachte ein breites Medienecho und wurde über Social-Media-Kanäle unter dem Hashtag #dontlookaway intensiv geteilt. Parallel berichteten Medien wie die TAZ und die FAZ kritisch über die anhaltenden Kämpfe im Donbass, die internationale Hilfsbereitschaft samt enger werdendem humanitären Korridor und die psychische Belastung der Zivilbevölkerung. Auch mehrere Politiker signalisierten im Nachgang, dass solche TV-Momente Druck auf politische Gespräche erhöhen – eine Inhalte-Ebene, die klassische Kriegsberichterstattung oft nicht erreicht.

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