Tarif-Deal bei CineStar: Lohnerhöhungen und neue Strukturen

Lübeck – Nach einer Reihe nicht gerade kurzer Gespräche haben sich die Mitarbeitendenvertreter bei der CineStar-Gruppe und die Gewerkschaft ver.di nun tatsächlich auf einen neuen Tarifvertrag verständigen können. Die vierte Runde der Verhandlungen brachte die ersehnte Wende und ein Ergebnis, mit dem offenbar beide Seiten leben können.

heute 17:59 Uhr | 6 mal gelesen

Am Ende zählte das Durchhaltevermögen: Der neue Tarifvertrag läuft bis zum 31. Dezember 2027 und enthält nicht nur gestaffelte Lohnsteigerungen, sondern auch eine erhöhte Sonderzahlung zum Jahresende (manch einer würde sagen: mehr Weihnachtsgeld kann Wunder wirken, zumindest im Portemonnaie). Die Kinos werden ab jetzt nur noch in zwei anstatt in drei Kategorien eingeteilt, was das Ganze für die Beschäftigten ein wenig übersichtlicher machen dürfte. Lohntechnisch gibt’s rückwirkend zum 1. März eine Steigerung um 11,6 Prozent – und zwar nicht auf einen Schlag, sondern in drei Schritten, die orientieren sich auch am jeweiligen gesetzlichen Mindestlohn. Und das Weihnachtsgeld? Das steigt um satte 20 Prozent. Was sagen die Chefs dazu? Oliver Fock, einer der beiden Geschäftsführer, spricht von "intensiven, aber stets fairen" Verhandlungen und bedankt sich bei allen Beteiligten. Michael Strohmenger, auch in der Geschäftsführung, glaubt, dass mit dem neuen Vertrag endlich wieder Ruhe einkehrt – und zwar nicht nur im Kinosaal, sondern auch in den Personalabteilungen, die nach den letzten Streikwellen sicherlich genug Dramatik erlebt haben. Noch ein Haken: Die Einigung muss noch innerhalb der kommenden zwei Wochen offiziell bestätigt werden. CineStar betreibt übrigens in insgesamt 44 deutschen Städten Kinohäuser, vom hippen Arthouse bis zum klassischen Mulitplex. Damit zählt der Konzern zu den größten Playern in der Branche. Eigentümer ist der australische Großkonzern Event Hospitality & Entertainment Limited. Und: Wer Kontakt sucht – Frau Backhaus aus der Unternehmenskommunikation steht per Mail bereit.

Der Abschluss des neuen Tarifvertrags zwischen CineStar und ver.di sichert den Beschäftigten bis Ende 2027 spürbare finanzielle Verbesserungen wie die gestaffelte Erhöhung der Löhne um insgesamt 11,6 Prozent sowie ein um 20 Prozent angehobenes Weihnachtsgeld. Die Vereinfachung der Betriebskategorien dürfte Lohn- und Arbeitsstrukturen transparenter machen. Branchenübergreifend ist zu beobachten, dass etliche Kinoketten angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten und erhöhtem Mindestlohn nachziehen – laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung etwa profitieren bundesweit zunehmend Kinobeschäftigte von besseren Arbeitsbedingungen und Tarifen. Die News kommt zu einer Zeit, in der die Kinoindustrie versucht, sich von Pandemie-Folgen zu erholen und mit neuen Besuchertrends sowie Streaming-Konkurrenz umzugehen. Während CineStar optimistisch in das Frühjahrsgeschäft startet und die Tarifrunde zu beendet scheint, werden an anderen Standorten weiterhin Lohnerhöhungen gefordert – etwa bei der Kinokette UCI, wie die Deutsche Welle berichtet. In zahlreichen Städten wächst zudem der Druck auf kleine unabhängige Kinos, da große Konzerne wie CineStar durch bessere Konditionen und Größe Mitarbeitende binden können. Die Gewerkschaften sehen insgesamt einen Trend zu mehr Tarifverträgen in der Kinobranche, doch warnen vor weiteren wirtschaftlichen Herausforderungen aufgrund Digitalisierung und veränderten Sehgewohnheiten.

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