Eigentlich hatte ich mit vielem gerechnet, aber dieses Statement von Jan van Aken überrascht dann doch auf besondere Weise: Er zieht sich im Juni aus der Parteiführung der Linken zurück, weil seine Gesundheit Priorität hat. Kein Grund zur Dramatisierung, betont er gleich – lebensbedrohlich, nein, das sei es nicht. Aber nach so vielen Jahren unter Hochspannung, Politik ist ja selten Freizeitpark, muss eben auch mal die Bremse gezogen werden. Etwas wehmütig klingt es schon durch, wenn van Aken davon spricht, wie sehr er die Zusammenarbeit mit Ines Schwerdtner, seiner Co-Vorsitzenden, vermissen wird. Trotzdem bleibt er dem Bundestag treu, bis zum regulären Ende der Legislatur, und der Partei – so weit es möglich ist. Was bleibt, ist Stolz: Die Partei wächst, neue Mitglieder, frische Erfolge bei allen vier Wahlen dieses Jahr, Themen wie Mietendeckel und Vermögenssteuer endlich landesweit gesetzt. Und, ein fast schon schadenfroher Nebensatz: Die anderen Parteien kopieren inzwischen ihre Ideen. Vielleicht, so klingt es zwischen den Zeilen, ist Loslassen gar nicht so bitter, wenn gerade alles so ins Rollen kommt.
Jan van Akens Rücktritt als Ko-Parteivorsitzender von Die Linke fällt in eine Phase, in der die Partei überraschend Zuwächse verzeichnet: Vier Wahlerfolge, ansteigende Mitgliedszahlen und stetige Diskussionen um soziale Themen wie bezahlbares Wohnen und Umverteilung, getrieben durch die grassierende Unzufriedenheit mit der Ampel-Regierung. Hinter den Kulissen herrscht trotzdem Unruhe – insbesondere im Umgang mit der AfD und angesichts der wachsenden neuen Bündnisse am linken Rand, die mit angezogener Handbremse Richtung Europawahl schielen. Die Linke sucht gerade ihre neue Rolle, zwischen Oppositionsschärfe, Pragmatismus und dem ständigen Balanceakt, nicht von radikaleren Splittergruppen überholt zu werden; van Aken bleibt derweil als erfahrener Parlamentarier und kritische Stimme weiter einflussreich, wenn auch nicht mehr an der Parteispitze.