Eigentlich muss man es kaum noch betonen, doch hier tut es mal gut: Edenhofer ist kein grundsätzlicher Gegner der Kernkraft – er hat schließlich persönlich etwas gegen solche Grabenkämpfe. Aber nüchtern betrachtet, macht es für ihn überhaupt keinen Sinn, die stillgelegten Atommeiler wieder hochzufahren, geschweige denn neue zu errichten. Weder betriebswirtschaftlich noch volkswirtschaftlich findet er einen triftigen Grund dafür. Wer soll das bitte stemmen, fragt er fast schon rhetorisch.
Stattdessen, und da stimmt er ausgerechnet mit Wirtschaftsministerin Reiche aus der CDU überein, hält er neue Gaskraftwerke für passender. Allerdings nur, wenn diese mit einem großflächigen Ausbau erneuerbarer Energien Hand in Hand gehen. Überraschend: Große Solarparks findet er viel sinnvoller als zahllose kleine Solardächer auf Privatgebäuden – einfach, weil die aktuelle Gesetzeslage viele Eigentümer zu wenig optimalem Verhalten verleitet. Viele private Anlagen speisen Strom ins Netz, wenn ohnehin Überfluss herrscht, und belasten es noch zusätzlich bei Knappheit. Die pauschale Vergütung unabhängig von Angebot und Nachfrage hält Edenhofer für einen Fehler. Börsenpreis-Orientierung sei sein Rezept; erst so lohne sich der clevere Umgang mit Heimspeichern. Ganz nebenbei zeigt sich, wie komplex die Energiewende tatsächlich ist – und dass einfache Antworten selten funktionieren.
Edenhofer positioniert sich pragmatisch gegen eine Rückkehr der Atomenergie in Deutschland, da er angesichts der immensen Kosten und fehlender wirtschaftlicher Tragfähigkeit keinen Nutzen sieht. Besonders bemerkenswert ist sein Vorschlag, auf flexible Vergütungsmodelle für Solarstrom umzustellen, um Fehlanreize zu vermeiden und die Netzauslastung smarter zu steuern. Die aktuelle Diskussion beweist, wie sehr die deutsche Energiepolitik zwischen kurzfristigen Lösungen und langfristigen Transformationspfaden laviert – und dass es letztlich wohl keine silver bullet gibt.
Recherchiert: Laut aktuellen Berichten aus deutschen Leitmedien setzen zahlreiche europäische Länder weiter auf Kernkraft, während in Deutschland die Energiepreisfrage immer drängender wird. Auch aktuelle Analysen von DIW und Agora Energiewende zeigen, dass der Ausbau großer Photovoltaik- und Windanlagen hinsichtlich Versorgungssicherheit und Preisstabilität sinnvoller ist als dezentrale Insellösungen. Interessanterweise berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass Engpässe im Netz und fehlende Speicherkapazitäten zunehmend als Problem erkannt werden, da sie die Integration erneuerbarer Energien bremsen. Als politische Hintertür wird teils sogar der Import von Atomstrom diskutiert – ein weiteres Indiz für die Widersprüchlichkeit der aktuellen Lage.