Zwei-Prozent-Abgabe auf große Vermögen? Ökonom Zucman plädiert für Umverteilung

Gabriel Zucman, ein renommierter französischer Ökonom, bringt eine progressive Vermögenssteuer ins Spiel: Jährlich zwei Prozent auf Nettovermögen ab 100 Millionen Euro. In Deutschland, so Zucman, drücke die Steuergesetzgebung die effektive Abgabenlast der Superreichen weit unter das, was Durchschnittsverdiener zahlen müssen.

heute 18:04 Uhr | 5 mal gelesen

Das Thema soziale Schieflagen drängt immer mehr an die Oberfläche – es summt im politischen Diskurs wie eine zu laute Neonröhre, die niemand mehr ignorieren kann. Gabriel Zucman, ein Name, der international für seine Analysen zu Ungleichheit bekannt ist, hält sich mit Kritik nicht zurück. Er argumentiert, dass derzeit viel Reichtum clever am Fiskus vorbeigesteuert wird – Gesetzeslücken machen's möglich, sagt er ziemlich unverblümt. Besonders in Zeiten explodierender Energiepreise (der Konflikt um den Iran ist hier wieder einmal Beschleuniger), wenn es ohnehin für viele Menschen teurer und schwieriger wird, drängt sich Zucman eine alte, oft gemiedene Frage auf: Wer zieht eigentlich seinen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens? Wer sitzt am längeren Hebel und könnte sich mehr beteiligen, aber tut es nicht? Für Zucman ist klar: Ohne strukturelle Steuerreform bleibt die Wohlstandsverteilung eine Baustelle mit gesperrtem Zugang für die breite Gesellschaft. Neben seiner Forschung an angesehenen Institutionen – Paris School of Economics, ENS und Berkeley – ist Zucman als Vordenker bei globalen Steuerfragen gefragt. Nicht alle folgen seinem Ruf nach gerechterer Besteuerung, aber das Thema klebt wie Kaugummi am Schuh der deutschen Politik.

Gabriel Zucman fordert eine Mindeststeuer von 2 % auf Nettovermögen über 100 Millionen Euro, um die Kluft zwischen Superreichen und Durchschnittsverdienern anzugehen. Laut ihm ist die aktuelle Gesetzgebung zu lasch, sodass die Ultra-Vermögenden letztlich weniger Steuern zahlen als normale Arbeitnehmer, was zu gravierenden Ungerechtigkeiten im System führt. Internationale Diskussionen zu Vermögenssteuern nehmen zu, besonders da Krisen – wie jüngst die Lage im Nahen Osten und steigende Energiepreise – die sozialen Spaltungen weiter verschärfen. Inzwischen debattiert auch die OECD verstärkt über globale Mindeststeuern auf Unternehmensgewinne und Privatvermögen. Mehrere europäische Länder experimentieren bereits mit Vermögensabgaben, doch Deutschland zögert angesichts Kapitalflucht und Wettbewerbsängsten. Zucman und viele seiner Kollegen sehen dennoch wachsenden Reformdruck, wie aktuelle Veröffentlichungen und Studien zeigen.

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