Die Bundesministerin Dorothee Bär (CSU) ließ keinen Zweifel daran: Ein tiefergehendes Verständnis für die Ursachen und Ausprägungen postinfektiöser Erkrankungen ist dringend geboten. Gleichzeitig forderte sie, Therapien von der Theorie in die Praxis schneller zu bringen – mit Nachdruck. Die ersten Initiativen konzentrieren sich einerseits darauf, eine systematisch aufgebaute, breite Datenbank zu erstellen – ein solides Fundament, das heute überall noch fehlt. Außerdem ist geplant, das Erbgut gesunder und betroffener Menschen umfassend zu analysieren – Sequenzierung ist hier das Zauberwort. Ein weiterer Hebel ist die konsequente Förderung klinischer Studien, hauptsächlich in den frühen und mittleren Phasen. Damit Behandlungsmethoden nicht auf dem Papier verharren, sollen spezielle Arbeitsgruppen eingesetzt werden, die Brücken zwischen Forschung und Versorgungsalltag schlagen. Dabei bleibt es nicht bei reiner Symbolpolitik: In den nächsten Wochen beteiligen sich insgesamt dreizehn verschiedene Organisationen – von Ministerien über Interessenvertretungen bis hin zu Wissenschaftsverbänden – an der Umsetzung. Die konkreten Maßnahmen starten ab dem zweiten Quartal 2026; weitere Ausschreibungen für neue Projekte stehen im Laufe des Jahres an.
Bei postinfektiösen Erkrankungen, zu denen unter anderem das viel diskutierte Long COVID zählt, nehmen politische und wissenschaftliche Initiativen Fahrt auf. In den letzten Monaten wurden deutschlandweit die Anforderungen an medizinische Versorgung und Forschung deutlich artikuliert – nicht zuletzt auch von Betroffenengruppen. In den frisch beschlossenen Plänen steht die Verbindung von Grundlagenforschung, gezielter Datenerhebung und einer aktiven Übersetzung in Behandlungsstrategien im Zentrum. Neu hinzu kommt, dass die Bundesregierung auch die wirtschaftlichen Folgen für Gesellschaft und Arbeitsmarkt thematisiert und mit therapeutischer Versorgung verzahnt. Aktuelle Stimmen aus der Wissenschaft fordern stärkere internationale Vernetzung und verweisen darauf, dass Deutschland etwa bei Long-COVID-Daten im europäischen Vergleich noch Nachholbedarf hat.