Plötzlich stehen keine Stühle im Halbrund, kein Kronleuchter baumelt von der Decke, sondern Basketballkörbe und Sprossenwände werden zur Konzertkulisse. Das hr-Sinfonieorchester, angeführt von Simon Edelmann, macht sich in diesem Februar wieder auf Schultour: Über 40 Musikerinnen und Musiker lassen Händel, Bernstein und Mozart lebendig werden – und das nicht im großen Saal, sondern vor Ort an sieben ausgewählten Schulen in Hessen. "Die Kinder sollen Musik wirklich spüren“, sagt Musikvermittlerin Phia-Charlotte Jensen, „und die Fragen zwischendurch sind fast noch spannender als die Stücke." Solistinnen und Solisten wie Flötistin Marie Nassauer oder Posaunist Korbinian Weisser, beide noch an der HfMDK Frankfurt jung in der Ausbildung, stehen dabei im Mittelpunkt. Das Ganze ist längst ein fester Bestandteil: Die Hessen-Schultour gibt es – mit stetig wachsender Begeisterung – schon seit 2008, immer angelehnt ans Motto 'Konzertsäle raus aus dem Elfenbeinturm!'. Besonders erfreulich: Es melden sich inzwischen deutlich mehr Förderschulen an. Die Auswahl erfolgt übrigens nicht nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt...": Jede Schule muss sich bewerben, weshalb ein bisschen Nervenkitzel immer dabei ist. Wer genauer wissen will, wie die nächste Runde läuft, bekommt Infos über den Musik-und-Schule-Newsletter oder direkt bei Jensen. Apropos: Der Terminplan ist prall – los geht‘s Dienstag in Herborn, abschließend am Freitag in Heusenstamm, inklusive vieler Gastschul-Einladungen und mittendrin immer wieder: die Begeisterung der Kinder.
Musik in den Alltag zu bringen, bleibt ein Hauptanliegen der Hessen-Schultour des hr-Sinfonieorchesters: Insbesondere Grund- und Förderschulen stehen im Mittelpunkt, da viele Kinder sonst nicht die Möglichkeit hätten, ein klassisches Konzert live zu erleben. Studien und aktuelle Debatten unterstreichen, wie wertvoll Musik für die Entwicklung von Kreativität, Sozialkompetenz und Konzentration ist – auf hr.de heißt es sogar, dass die Nachfrage nach solchen Initiativen deutlich steigt. Laut einem Artikel auf sueddeutsche.de werden solche Bildungsprojekte bundesweit ausgebaut, wobei Hessen als positives Beispiel für gelungene kulturelle Bildung angeführt wird; Durch Musik „können Hemmschwellen abgebaut und Horizonte geöffnet werden“, so die Musikpädagogin Charlotte Petri. Das Orchester ist Teil eines wachsenden Bewusstseins in Schulen, dass neben Mathe und Deutsch kulturelle Erfahrungen essentiell sind – was auch mit Zahlen unterlegt wird: Im vergangenen Jahr nahmen fast 3.000 Schülerinnen und Schüler an der Schultour teil. Neue Kritik gibt es jedoch von Elterninitiativen, die fordern, dass der ländliche Raum noch stärker berücksichtigt wird, da dort die kulturelle Versorgung oft dünner ist.