Kurz vor Festivalbeginn schlugen die Wellen hoch: Während Wim Wenders, Jurypräsident der diesjährigen Berlinale, betonte, Filmschaffende seien ein Gegengewicht zur Politik und dürften sich bewusst aus politischen Debatten raushalten, warfen ihm Aktivisten – namentlich solche, die sich zur Gaza-Thematik äußern – fehlende Positionierung und damit letztlich Ignoranz vor. Den Vorwurf eines 'institutionellen Schweigens' wollte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer so nicht stehen lassen. Für ihn führen Wim Wenders und Berlinale-Direktorin Tricia Tuttle das Festival laut eigener Aussage 'sehr ausgewogen und mit Feingefühl'. Weimer unterstrich im Gespräch mit „Welt“, wie politisch die Berlinale in Wahrheit sei: Reibungen, kontroverse Diskussionen, schwierige Themen – alles da. Er selbst nehme die Aktivisten wahr, meint aber, es sei ein falsches Ansinnen, Künstler wie Wenders öffentlich unter Druck zu setzen, noch klarer Position beziehen zu müssen. Künstler hätten, so Weimer, das Recht, sich auch mal bewusst zurückzuhalten. Die Berlinale sei kein politischer Akteur, sondern ein Freiraum – ein Ort, an dem Meinungen aufeinandertreffen, diskutiert und auch gestritten werde. Letzten Endes, so sein Standpunkt, dürfe niemand von Künstlern erwarten, stets der eigenen politischen Agenda zu entsprechen. Und ohnehin: Die Berlinale organisiere sich nicht wie eine NGO, sondern bleibe Spielfläche für filmische Freiheit und Austausch – zumindest sieht es Weimer so.
Der öffentliche Schlagabtausch zwischen Aktivisten und Jurypräsident Wim Wenders zur Rolle von Politik im Film reißt nicht ab. Während die eine Seite auf eine klare Haltung zur Lage in Gaza pocht, fordert Kulturstaatsminister Weimer Respekt vor dem Recht von Künstlerinnen und Künstlern, sich zu politischen Fragen auch einmal zu enthalten. Ergänzend verleihen jüngste Berichte (siehe letzter Abschnitt) diesem Diskurs zusätzliche Schärfe: Etwa wurde die Berlinale nicht nur wegen des Israel-Gaza-Konflikts, sondern auch wegen weiterer geopolitischer Konflikte rund um russische und iranische Filme zum Gradmesser politischer Freiheit und Zensur innerhalb Europas. Mehrere Quellen betonen zudem, dass die Berlinale in diesem Jahr einen besonders vielfältigen und mutigen Umgang mit Politik wagt – jedoch polarisiert das Publikum, wieviel politische Einmischung von Filmfestivals tatsächlich erwartet werden kann.