Manche Debatten schlägt man morgens auf – und fragt sich zunächst, ob da nicht irgendwas durcheinander geraten ist. Die Linke-Chefin Ines Schwerdtner stellte jedenfalls klar, dass ihrer Ansicht nach ein Studium keineswegs eine Sackgasse für die spätere Rente werden dürfe. Sie sagte gegenüber der "Rheinischen Post", Spahns Vorstoß, die Studienjahre nicht mehr für die Rente anzuerkennen, sei gefährlich: Das liefe letztlich auf mehr Altersarmut hinaus. Wer studiert, investiert in die Gesellschaft, Punkt.
Eigentlich klingt es logisch – aber der Streit darüber ist alt, das Argument, dass Akademiker mehr verdienen, auch. Was aber, wenn die Arbeitswelt immer brüchiger wird? Wenn sich Biografien verirren und eben nicht jeder Wissenschaftler direkt ins gemachte Nest fällt? Schwerdtner hält dagegen: Am System der gesetzlichen Rente müsse vielmehr herumgeschraubt werden – mehr Geld, andere Finanzierung, gerechtere Lastenverteilung. Kurios eigentlich, dass wir hier über ein paar Jahre am Anfang des Berufslebens diskutieren, während wir am anderen Ende immer länger arbeiten sollen. Der politische Streit ist also auch einer über soziale Gerechtigkeit und das Bild, welches wir von Bildung haben.
Die Initiative von Jens Spahn, die Studienjahre künftig nicht mehr als Versicherungszeiten für die Rente zu werten, stößt bei der Linken auf massive Kritik. Ines Schwerdtner warnt, solche Kürzungen könnten Akademikerinnen und Akademiker in den nächsten Jahrzehnten verstärkt ins soziale Abseits drängen, da viele ohnehin in prekäre Beschäftigungen starten. Verschärfend kommt hinzu, dass schon jetzt fast ein Fünftel der deutschen Rentner von Altersarmut bedroht ist – laut aktuellen Berichten der Deutschen Rentenversicherung. Die allgemeine Unsicherheit am Arbeitsmarkt, vor allem für junge Erwachsene mit unterbrochenen Erwerbsbiografien, verschärft das Problem weiter. Die Linke fordert daher eher umfassende Reformen und eine gerechtere Verteilung der Rentenlast.
Recherchen zufolge beschäftigen sich in den letzten 48 Stunden diverse Leitmedien mit der Rentenproblematik. Unter anderem wird diskutiert, wie der demografische Wandel das Rentensystem unter Druck setzt, und dass das Thema Gerechtigkeit bei der Rentenberechnung immer virulenter wird.