Kretschmann sieht Bündnisse mit der Linkspartei kritisch

Winfried Kretschmann, der bald aus dem Amt scheidende Regierungschef Baden-Württembergs, hat deutlich gemacht, dass er von einer engeren Zusammenarbeit der Grünen mit der Linkspartei wenig hält.

heute 13:22 Uhr | 3 mal gelesen

Kretschmann, ein Grünoldie mit eigenen Ecken, hat mal wieder Klartext gesprochen – selten genug heutzutage. Im Interview mit dem "Tagesspiegel" betonte er, dass Kooperationen mit der Linkspartei für ihn keine wirkliche Option seien. "Mit Extremisten sollte man nicht gemeinsame Sache machen", sagte er – ziemlich deutlich, sogar für seine Verhältnisse. Offenbar hat er die Sorge, dass die Linkspartei mehr Trugbilder als tragfähige Politik anbietet. Und das ist für ihn auf lange Sicht genauso heikel wie demokratiefeindliche Umtriebe von ganz anderer Seite. Statt links zu überholen und lauthals zu fordern, empfiehlt Kretschmann seiner Partei, breit aufgestellt zu bleiben – auch, weil das klassische Links-außen-Gehabe seiner Einschätzung nach ohnehin nichts bringt. Kurz vor seinem Rückzug schickt er noch einen kleinen Seitenhieb an die eigene Adresse: Bloß große Ziele zu formulieren, reicht eben nicht – der Weg dahin zählt. Seine Message: Erst denken, dann handeln, und das bitte realistisch.

Winfried Kretschmann, langjähriger Ministerpräsident Baden-Württembergs, mahnt die Grünen zur Vorsicht bei der Annäherung an die Linkspartei und ruft dazu auf, sich auf realistische Politik zu konzentrieren. Er kritisiert, dass manche im linken Flügel der Grünen lieber mit Maximalforderungen als mit pragmatischen Wegen arbeiten. In aktuellen Berichten anderer Medien wird Kretschmanns Standpunkt zum Umgang mit der Linkspartei als Spiegelbild innerparteilicher Debatten gesehen, wobei auch Stimmen betonen, dass die Grünen bundesweit zwischen sozialer Gerechtigkeit und Realpolitik lavieren (in Berlin z. B. werden Möglichkeiten und Risiken eines Bündnisses mit SPD und Linken derzeit öffentlich diskutiert). Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen spielt die Zukunft der Grünen in Koalitionen eine wachsende Rolle, auch angesichts verschärfter Konkurrenz von ganz links und rechts. Die öffentliche Meinung ist gespalten, wie weit sich die grüne Partei anpassen sollte, um sowohl gesellschaftliche Mitte als auch progressivere Milieus anzusprechen. Hintergrund: In Berlin loten Grüne, SPD und Linkspartei aktuell tatsächlich Optionen aus, während in anderen Bundesländern konservativ-grüne Bündnisse teils als Erfolgsmodell gelten.

Schlagwort aus diesem Artikel