Wenn Kurzarbeit zu lange dauert: Fachkräftemangel made in Germany?

Kürzere Bezugszeiten beim Kurzarbeitergeld könnten dem vertrackten Fachkräftemangel ein Stück weit den Schrecken nehmen – meinen Forschende vom Ifo-Institut.

heute 10:38 Uhr | 2 mal gelesen

Mal ehrlich: Überall wird von fehlenden Fachkräften gesprochen, als würden sie sich heimlich unter der Spüle verstecken. Zeitgleich häuften sich über Jahre die Statistiken zu Dauer-Kurzarbeit. Forscher vom Ifo-Institut haben kürzlich den Finger genau in diese Wunde gelegt. Volker Meier vom Ifo mutmaßt, es gäbe zu wenig Flexibilität – Arbeitskräfte klebten durch zu langes Kurzarbeitergeld förmlich an ihren alten Jobs, auch wenn sie andernorts händeringend benötigt würden. Ursprünglich war das Kurzarbeitergeld auf sechs, später auf zwölf Monate begrenzt, inzwischen können Firmen und Angestellte sogar zwei Jahre darauf setzen. Das klingt erstmal wie ein Sicherheitsnetz, wirkt aber eben auch wie ein Bremsklotz für nötige Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Leander Andres, ebenfalls Ifo-Forscher, gibt zu bedenken: Wer in Kurzarbeit steckt, hat kaum Anreize, sich nach etwas Neuem umzusehen – das System subventioniert quasi das Bleiben. Ein Ausweg könnte lauten: Umschulungen und Weiterbildungen verlangen und besser fördern, zum Beispiel auch finanziell belohnen, wenn Angestellte den Sprung wagen. Auch das Thema Arbeitskräftepotenzial kommt auf: Die Studie empfiehlt, zum Beispiel das beliebte Projekt „Rente mit 63“ abzuschaffen, bürokratische Stolpersteine für Zuwanderer einzureißen und das Ehegattensplitting radikal zu überdenken. Alles mit dem Ziel, mehr Menschen und besonders bislang Unterschätzte ins Arbeitsleben zu holen – aber klar, das klingt alles einfacher, als es am Ende tatsächlich ist.

Das Ifo-Institut kritisiert, dass die aktuelle Form des Kurzarbeitergeldes dazu führt, dass Fachkräfte zu lange in Branchen gehalten werden, die schrumpfen, während sie anderswo dringend gebraucht werden. Statt einer Dauerlösung plädieren die Autoren der Studie dafür, gezielt Weiterbildung und Umschulungen zu fördern und finanzielle Anreize für den Branchenwechsel zu schaffen. Zudem rufen sie dazu auf, potenzielle Arbeitskräfte unter Frauen, Älteren und Zugewanderten stärker zu aktivieren und bestehende Hürden wie das Ehegattensplitting oder die Rente mit 63 zu überdenken. Aktuelle Recherchen zeigen, dass auch Gewerkschaften und Unternehmen vor neuen Herausforderungen stehen: Einige fordern flexiblere Modelle, andere warnen vor Risiken für Beschäftigte. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung und der demografische Wandel den Druck auf den Arbeitsmarkt weiter erhöhen, was ein Umdenken bei Arbeitsmarktpolitik und Weiterbildung notwendig macht.

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