Wenn es um digitale Selbstbestimmung in Europa geht, machen die wenigsten Großunternehmen Nägel mit Köpfen – Schwarz Digits hingegen schon. Rolf Schumann, einer der beiden CEOs, hebt hervor: 'Wir übersetzen das abstrakte Bedürfnis nach digitaler Souveränität in handfeste Kriterien und machen sie prüfbar.' Kernstück ist der European Sovereign Stack Standard (kurz ES³), der nicht nur auf dem Papier existiert: Ein Messe-Exponat macht das ambitionierte Projekt greifbar.
Im Alltag bedeutet das: Unternehmen können durch ein Presales-Tool analysieren lassen, wie souverän ihre aktuelle IT bereits aufgestellt ist. Der Clou: Basierend auf dieser Analyse gibt es konkrete Handlungsanweisungen, um Cloud- und IT-Services auszuwählen, die sowohl technisch als auch aus Souveränitäts-Perspektive passen. Das Ganze wird durch ein vierstufiges Reifegradmodell gestützt – von Basic über Initial bis hin zu Advanced und Future-Proof. Diese höchste Stufe steht für fast vollständige Unabhängigkeit im digitalen Raum.
Was das Modell besonders glaubwürdig macht: Es wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO unabhängig überprüft. BDO-Vorstand Parwäz Rafiqpoor betont: 'Unsere Prüfung bestätigt, dass ES³ eine praktikable, regelfeste Basis für digitale Selbstbestimmung schafft.'
Im Hintergrund orientiert sich das Modell am Cloud Sovereignty Framework der EU-Kommission. Mehr als 100 Kriterien werden herangezogen, um Souveränität messbar und vergleichbar zu machen. Interessant ist: Anbieter, die bestimmte Souveränitätslevel erreichen, können dies via Badges nach außen zeigen – eine Art Auszeichnung im Ökosystem. Letztlich ist es ein Baukasten, mit dem Unternehmen ihren Weg in eine eigenständige digitale Zukunft aktiv gestalten können.
Nicht nur Schwarz Digits profitiert: Partner wie SCHUNK und Cybus sind bereits an Bord. Die Initiative trifft damit nicht auf taube Ohren – und könnte perspektivisch zum europäischen Standard avancieren.
Mit dem ES³ möchte Schwarz Digits mehr Klarheit und Vergleichbarkeit im Dschungel der IT-Souveränität schaffen. Besonders relevant ist das für mittelständische und industrielle Player, die immer öfter auf regulierte Cloud-Lösungen angewiesen sind. Der Ansatz, ein so detailliertes, unabhängiges und geprüftes Reifegradmodell am EU-Framework auszurichten, verspricht eine objektivere Entscheidungsgrundlage als frühere Ansätze. Nach aktuellen Recherchen sind Themen wie digitale Souveränität und regulatorische Transparenz branchenübergreifend auf dem Vormarsch, da viele Unternehmen nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung und geopolitischen Unwägbarkeiten (u.a. US-Datentransfers) nach souveränen Lösungen suchen. Datenleck-Skandale und Bedenken hinsichtlich Abhängigkeiten von US- oder chinesischen Tech-Giganten haben das Bewusstsein für europäische digitale Eigenständigkeit geschärft. Ganz aktuell berichten mehrere Portale über die wachsende Zahl von Initiativen – von Gaia-X bis zu nationalen Cloud-Isolationen –, die teils schleppend, teils mit Echo in der Fachwelt Fahrt aufnehmen.