Experten sehen 80-Prozent-Rückkehrziel für syrische Geflüchtete skeptisch

Führende Ökonominnen und Ökonomen hegen Zweifel an der Prognose von CDU-Chef Friedrich Merz, wonach innerhalb von drei Jahren 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer wieder in ihre Heimat zurückkehren sollen. "Das ist politisch formuliert und weicht sehr wahrscheinlich stark von der wirtschaftlichen Wirklichkeit ab", betont Geraldine Dany-Knedlik vom DIW gegenüber der Presse.

heute 11:54 Uhr | 3 mal gelesen

Szenario: Selbst wenn ein spürbarer Anteil der geplanten Rückführungen tatsächlich umgesetzt werden sollte, käme das einer intensiven Belastungsprobe für den deutschen Arbeitsmarkt gleich. Deutschland hat ohnehin mit einem stagnierenden, beinahe schon schrumpfenden Potenzialwachstum zu kämpfen – da würde so ein Exodus die demografischen Herausforderungen weiter verschärfen. Und genau das, argumentiert Dany-Knedlik, sollte in Diskussionen über die Sinnhaftigkeit und Umsetzbarkeit solcher Rückkehrprogramme stärker Beachtung finden. Auch Timo Wollmershäuser vom Münchner ifo-Institut zieht Parallelen zu den vergangenen Jahren: Die Zuwanderungswellen seien einer der Gründe gewesen, warum die demografische 'Zeitenwende' auf dem Arbeitsmarkt bis jetzt nicht allzu gravierend spürbar war. Schickt man nun im großen Stil Syrer zurück, könnte dies das Produktionspotenzial der deutschen Wirtschaft sichtlich schwächen. Viele dieser Menschen arbeiten, sind integriert – und ihr Fortgang lässt sich eben nicht einfach kompensieren, so die Mahnung der Forscher*innen. Persönlich kommt mir die Debatte manchmal seltsam theoriegläubig vor: Als ließe sich ein so komplexer gesellschaftlicher Zusammenhang mit ein paar politischen Ansagen realisieren.

Die von der Politik aufgestellte Forderung, binnen drei Jahren einen Großteil der syrischen Geflüchteten zur Rückkehr zu bewegen, stößt bei Wirtschaftsexperten auf massive Zweifel. Hauptkritikpunkt: Die Integration in den Arbeitsmarkt ist bei vielen bereits weit fortgeschritten und ein abrupter Abgang würde die ohnehin schon alternde Bevölkerung sowie das Fachkräftepotenzial zusätzlich belasten. Neueste Zahlen und Stimmungsbilder zeigen außerdem, dass die Rückkehrbereitschaft vieler Syrer gering ist, zumal die politischen und humanitären Bedingungen in Syrien weiterhin unsicher bleiben – ein Punkt, der regelmäßig in sozialen und ökonomischen Analysen der führenden deutschen Forschungsinstitute betont wird. Ergänzende Details aus aktuellen Quellen: Viele Institute sehen einen Zielkonflikt zwischen Arbeitsmarktstabilität und politischen Rückkehrprogrammen. Inzwischen wird über gezielte Integrationsförderung als produktivere Strategie diskutiert. Ohne Zuwanderung droht Deutschland, so aktuelle Einschätzungen, ein massiver Fachkräftemangel. Die öffentliche Debatte bleibt polarisiert, gerade im Spannungsfeld zwischen ökonomischer Vernunft und migrationspolitischen Maximalforderungen.

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