WHO soll laut Experten Gobalen Gesundheits-Notstand ausrufen: Klimakrise im Fokus

Nachdem immer mehr Gesundheitsrisiken durch die Klimakrise sichtbar werden, fordert eine unabhängige Kommission – unter anderem mit Karl Lauterbach – von der WHO einen umfassenden Ausnahmezustand für den Bereich Gesundheit.

heute 12:30 Uhr | 1 mal gelesen

Einer Meldung zufolge, auf die sich unter anderem das Magazin 'Spiegel' bezieht, plädiert eine elfköpfige Kommission, eingeführt durch das Europabüro der WHO, für drastische Maßnahmen angesichts der wachsenden Bedrohung durch den Klimawandel. Angeführt wird die Gruppe von Islands früherer Premierministerin Katrin Jakobsdottir; mit an Bord sind Persönlichkeiten wie der frühere deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach und die dänische Ex-EU-Kommissarin Connie Hedegaard. Ihr Appell an die Weltgesundheitsorganisation: Der Klimawandel müsse als internationaler Gesundheitsnotfall, also als akute Bedrohung, deklariert werden – ein Schritt, der bisher der Covid-19-Pandemie vorbehalten war. Besonders Lauterbach unterstreicht die Dringlichkeit: Die Gesundheitsfolgen des Klimawandels dürfen nicht länger unterschätzt werden. Laut Bericht gefährden bereits jetzt Temperaturen und Naturkatastrophen Millionen Leben und hätten in diesem Jahr allein in Europa über 63.000 hitzebedingte Todesfälle verursacht – besorgniserregende Zahlen, wenn man bedenkt, dass Europa schneller aufheizt als der Rest der Welt. Im Bericht wird die gesamte Tragweite betont: Sicherheit, sozialer Zusammenhalt, Menschenrechte und Gesundheit würden durch die Klimaveränderungen bedroht. Viele hätten die Krise viel zu lange als Zukunftsproblem abgetan. Konkrete Vorschläge umfasst der Bericht auch, etwa ein neues WHO-Zentrum für Klima und Gesundheit zur besseren Information der Staaten und dem Umgang mit Klimaskeptikern. Die Forderung: die WHO-Regularien müssten so angepasst werden, dass künftig auch Klimakatastrophen als Auslöser für internationale Notfälle möglich wären. Der Bericht wird am Sonntag in Genf der Öffentlichkeit vorgestellt, rechtzeitig bevor die Vollversammlung der WHO – mit 193 Staaten – zu Beratungen zusammenkommt.

Im Kern geht es um einen Kurswechsel: Die Kommission will, dass die WHO die Klimakrise so ernst nimmt wie eine Pandemie und endlich Instrumente bekommt, um auf Hitzewellen, Naturkatastrophen und deren gesundheitliche Folgen international reagieren zu können. Zahlreiche Gesundheitsexperten hatten die alarmierenden Zahlen aus Europa zuletzt mehrfach aufgegriffen und gefordert, die internationalen Gesundheitssysteme massiv zu stärken – ein Tenor, der sich etwa auch im Lancet Countdown Report 2023 wiederfindet, in dem gravierende Lücken bei der Vorbereitung auf Hitzewellen konstatiert werden. International mehren sich die Stimmen, die zusätzliche Forschungszentren und ein konsequentes Monitoring von klimabedingten Krankheiten fordern – beispielsweise, um neue Infektionskrankheiten oder die mentalen Folgen von Naturkatastrophen besser einzuschätzen; auch wird diskutiert, inwiefern die WHO-Statuten tatsächlich zeitgemäß – also klimatauglich – neu gefasst werden müssen. In aktuellen Berichten auf taz.de und zeit.de wird zudem betont, wie dringend eine ernsthafte strategische Reaktion der internationalen Gemeinschaft gefordert ist, um nicht nur menschengemachte Erwärmung, sondern eben auch die medizinische Versorgung vulnerabler Gruppen in den Mittelpunkt zu rücken.

Schlagwort aus diesem Artikel