In Sachen Bildung sieht es ebenso wenig erfreulich aus. Nur sechs von zehn Jugendlichen im Alter von 15 erreichen die Basisqualifikationen in Mathematik und Lesefertigkeit. Das reicht in der Länderliste gerade mal für Platz 34 von 41. Das wirklich Bittere: Bei Schülerinnen und Schülern aus einkommensschwachen Verhältnissen schaffen es nur 46 Prozent auf das Mindestniveau, während unter den privilegierten Mitschülern satte 90 Prozent diese Hürde nehmen.
Christian Schneider, Chef von UNICEF Deutschland, schlägt Alarm: Das Land brauche echte, entschlossene Initiativen, um endlich Kinderarmut anzupacken. Politische Lippenbekenntnisse reichen nicht, so sein Appell. Ein konkretes Maßnahmenpaket zur ökonomischen Absicherung benachteiligter Kinder sei überfällig. Außerdem sollten alle Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft – unkomplizierten Zugang zu einer guten Bildungs- und Gesundheitsinfrastruktur erhalten, fordert UNICEF: Spielplätze, Schulen, Arztpraxen – überall zugänglich, für jedes Kind, ohne Hürden.
Die UNICEF-Studie betont den Zusammenhang zwischen wachsender Ungleichheit und vermindertem Kinderwohl. Obwohl Deutschland zu den reicheren Industrienationen zählt, hat sich das Problem der Kinderarmut in den letzten Jahren kaum gebessert – und Bildungserfolg bleibt weiterhin stark an familiäre Herkunft gekoppelt. Auch neue Regierungsinitiativen, wie beispielsweise die Kindergrundsicherung, greifen laut Experten bisher zu kurz, da nicht ausreichend Geld in präventive Maßnahmen und Bildungsangebote fließt. Hinzu kommt die Verschärfung wirtschaftlicher Belastungen durch die Inflation, die für zahlreiche Familien zu einer realen Verschlechterung der Lebenslage geführt hat. Internationale Vergleiche zeigen derweil auf, dass Länder mit niedrigerer Ungleichheit, wie die nordischen Staaten, deutlich bessere Ergebnisse beim Wohlbefinden und der Chancengleichheit von Kindern erzielen.