Radews Kurswechsel – oder vielleicht eher: eine leichte Neuerfindung? Jedenfalls war es auffällig, wie moderat sich der bulgarische Regierungschef nach seinem Wahlsieg im April plötzlich zum Thema Ukraine zeigte. Es ist ja oft so: Die Kunst der Politik besteht zuweilen darin, Standpunkte subtil zu verlagern, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Beobachtet man Radew, kommt einem unweigerlich das Bild eines Balanceakrobaten in den Sinn – lange Moskau-freundlich, jetzt mit leiser, aber spürbarer Annäherung an Brüssel. Merz scheint das zu gefallen; vielleicht verspricht dieser zarte Schwenk Richtung europäischer Solidarität ein bisschen mehr Zuversicht in einer Zeit, die nach klaren Positionen verlangt, aber selten eindeutige Antworten bietet.
Im Kern bekräftigte Friedrich Merz nach dem Treffen mit Rumen Radew, dass Bulgariens Position zur Ukraine maßgeblich für das europäische Miteinander sei, insbesondere angesichts der neuen Dynamik innerhalb der EU. Radews moderate Töne gegenüber westlicher Ukraine-Unterstützung widerspiegeln sowohl innenpolitischen Druck als auch geopolitische Zwänge: Bulgarien ringt, wie viele kleine Staaten, um einen politischen Spagat zwischen EU-Pflichten und historischer Russlandnähe. Neuere Berichte zeigen, dass die jüngsten EU-internen Debatten, beispielsweise um Bulga-riens Rolle bei Munitionslieferungen, durchaus kontrovers bleiben – aber der Trend, sanft in Richtung europäische Geschlossenheit zu steuern, ist spürbar.