Angela Merkel beim WDR Europaforum: Europa verschenkt diplomatische Möglichkeiten

Köln – „Militärische Hilfe für die Ukraine war absolut notwendig, daran zweifle ich nicht“, stellte die Altkanzlerin Merkel am 18. Mai auf dem WDR Europaforum in Berlin klar. Allerdings, so ihre Kritik, schöpfe Europa sein diplomatisches Gewicht bei den Verhandlungen rund um Russlands Krieg gegen die Ukraine längst nicht genügend aus.

heute 18:59 Uhr | 3 mal gelesen

Angela Merkel, in ihrem ureigenen Ton zwischen Klartext und Nachdenklichkeit, ließ im Gespräch mit Markus Preiß vom ARD-Hauptstadtstudio keinen Zweifel: „Allein gegen den Druck, der derzeit ausgeübt wird – politisch wie militärisch –, kommt kein einzelner europäischer Staat an. Die EU muss an einem Strang ziehen.“ Besonderes Augenmerk legte sie dabei auf den Umgang mit Fakten und deren Instrumentalisierung durch Populisten wie die AfD. „Unsere Demokratie lebt davon, zwischen Stimmungen und Tatsachen zu unterscheiden. Wer daran rüttelt, bringt uns auf gefährliches Terrain“, warnte sie. Merkels Empfehlung an Frustrierte: Nicht gleich alles hinschmeißen, sondern lieber nochmal in den Ring steigen und versuchen, wirklich etwas zu verändern – vielleicht beinahe schon ein Merkel'sches Lebensmotto.

Vor den Fragen junger Menschen schreckte sie nicht zurück. Selbstironisch räumte sie ein, das Amt der Bundespräsidentin sei nichts mehr für sie: „Man muss dafür richtig Power haben.“ Besonders beschäftigt sie der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Sie forderte Regeln für KI-Inhalte in den sozialen Medien und zeigte sich alarmiert angesichts der wachsenden Ungewissheit darüber, was authentisch und was künstlich erschaffen ist. Der Druck von den USA, das Internet völlig unreguliert zu lassen? Für Merkel indiskutabel.

Der komplette Austausch mit Markus Preiß ist in der ARD Mediathek abrufbar, ein weiterer Teil als Spezialfolge beim Podcast 0630. Außerdem kursieren Ausschnitte auf mehreren WDR-Kanälen wie „Planet Politics“, „Nicetoknow“ und „tickr“. Das 28. Internationale WDR Europaforum unter dem Leitsatz „Hard Times, Soft Power – Europas Rolle in der Weltunordnung“ öffnet vom 18. bis 20. Mai 2026 die Tore – und zwar nicht nur in Berlin, sondern auch digital und über diverse TV-Kanäle hinweg.

Und klar, Zitate wollten sauber attribuiert werden – WDR Europaforum –, aber darauf pocht ohnehin jeder Profi. Weitere Details und Fotos gibt's wie immer auf den einschlägigen ARD- und WDR-Plattformen.

Merkels Kritik am zaghaften Einsatz europäischer Diplomatie zieht weite Kreise und sorgt offenbar für Nachhall in politischen wie gesellschaftlichen Debatten. Insbesondere ihre Warnung vor dem Verschleiern von Tatsachen durch Populisten und ihre Mahnung, die europäischen Demokratien nicht erodieren zu lassen, wurde europaweit diskutiert. Die re:publica und das Europaforum boten einen breiten Resonanzraum für diese Themen: Der Umgang mit KI, insbesondere in den sozialen Medien, ist aktuell ein Brennpunkt internationaler Gesetzgebungsdebatten – die EU verhandelt laufend strenge Regularien, deren Reichweite immer noch heiß umstritten ist. Laut Berichten von Zeit und FAZ zeigte sich Merkel optimistisch, dass freiwilliges Engagement und eine robustere Einbindung der EU-Institutionen notwendig sind, um aktuelle Krisen nicht nur militärisch, sondern auch klüger diplomatisch zu bearbeiten. Frühlingsumfragen aus mehreren Redaktionen deuten darauf hin, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger nach mehr Leitung und Führung auf EU-Ebene sehnen – besonders in unruhigen Zeiten wie diesen. Überdies zeigte ein Beitrag der Süddeutschen, wie digitale Formate wie Podcasts und Livestreams zunehmend die Debattenkultur auch außenpolitisch prägen – ein Trend, den Merkel ausdrücklich begrüßt.

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