Ausgeweitete Warnstreiks bei Telekom und Postbank: Verdi erhöht den Druck

Die Gewerkschaft Verdi hat die Streikaktionen bei der Deutschen Telekom auf ganz Deutschland ausgedehnt – und auch bei der Postbank stehen die Zeichen auf Konfrontation. Verdi will mit diesen Maßnahmen die aktuellen Tarifverhandlungen untermauern.

heute 19:13 Uhr | 3 mal gelesen

In Städten wie Hannover, Frankfurt am Main und Berlin werden diese Woche erneut Streikversammlungen und Protestaktionen aus dem Boden gestampft; insgesamt sind acht größere Schauplätze betroffen. Zuletzt beteiligten sich gut 32.000 Angestellte an den Arbeitsniederlegungen – eine beachtliche Zahl, die zeigt, dass die Stimmung im Konzern brodelt. Die Kernforderungen von Verdi klingen zunächst sachlich: 6,6 Prozent mehr Lohn bei einjähriger Vertragslaufzeit, dazu ein Mitgliedervorteil von 660 Euro pro Jahr. Auch Auszubildende und dual Studierende sollen profitieren: Hier fordert die Gewerkschaft 120 Euro mehr pro Monat sowie 240 Euro als jährlichen Mitgliedsbonus als kleines Tüpfelchen auf dem I. Die nächste Verhandlungsrunde – laut Plan der vierte Anlauf – steigt am 26. und 27. Mai, wobei es nicht unwahrscheinlich ist, dass zuvor weiter gestreikt wird. Interessant dabei: Die Telekom in Deutschland fasst unter ihrem Dach gleich 20 tarifliche Einzelbetriebe zusammen, die jeweils eigene Verträge haben – ein Tarifdschungel, der Kompromisse schwierig macht. Viele dieser Verträge gelten ohnehin noch bis Ende März 2026 – trotzdem droht die Stimmung jetzt schon zu kippen. Ein anderes, aber ähnliches Bild bietet sich bei der Postbank, die seit einiger Zeit zur Deutschen Bank gehört. Dort sind die Fronten nach wie vor verhärtet, trotz Angebot der Arbeitgeber für schrittweise Gehaltserhöhungen: Erst 2,4 Prozent mehr ab Juli 2026, dann nach weiteren zwölf Monaten nochmals 2,3 Prozent. Aus Verdi-Sicht wenig schmackhaft – schliesslich würde das, wie Gewerkschafter Jan Duscheck kritisiert, schlicht einen Reallohnverlust bedeuten, während die Postbank dicke Gewinne einfährt. Dieser Widerspruch frisst sich durch alle Statements der Verhandlungsführer. Nach mehreren Streikwellen kündigte Verdi an, den Druck noch einmal zu erhöhen. Gefordert werden hier acht Prozent mehr Lohn (mindestens aber 300 Euro extra pro Monat) und für Auszubildende ein Plus von 200 Euro. Daneben stehen Beschäftigungssicherung und Perspektiven für die Belegschaft im Mittelpunkt – immerhin läuft gerade die Integration der Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern. Die nächste Runde findet dann erst am 15. Juni 2026 in Frankfurt statt – die Zeit dazwischen dürfte unruhig werden.

Nach einer mehrwöchigen Eskalation haben sich die Arbeitsniederlegungen bei Telekom und Postbank deutschlandweit intensiviert. Verdi beharrt auf spürbaren Lohnsteigerungen, was – angesichts der aktuellen Inflationsrate – von vielen Beschäftigten als überfällig empfunden wird. Arbeitgeber und Gewerkschaft schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter für den Verhandlungsstillstand zu, während die Postbank angesichts guter Geschäftsergebnisse unter besonders scharfer Kritik steht. Langwierige Tarifkonflikte wie dieser zeigen übrigens oft, dass sich Arbeitskämpfe im digitalen Zeitalter nicht so leicht ins Abseits drängen lassen. Immer mehr Menschen scheinen bereit, für bessere Bedingungen nicht nur symbolisch, sondern auch spürbar zu streiken. Zusätzliche Infos: Laut taz betont Verdi, dass die Ausweitung der Streiks auch auf die Abwehr von Arbeitsplatzabbau zielt. Die Süddeutsche unterstreicht, dass viele Beschäftigte aus prekären Situationen heraus handeln – Inflation und Wohnkosten treiben die Unruhe an. SPIEGEL berichtet, dass der Tarifabschluss europaweit Beachtung findet, da die Telekom als Vorbild für andere Branchen gilt.

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