Besonderes Lob findet Dinglreiter für die Reform des Kündigungsschutzes bei Topverdienern. Sein Wunsch wäre zwar eine niedrigere Einkommensschwelle gewesen – aber manchmal ist Politik eben das Bohren dicker, widerspenstiger Bretter. Überhaupt bewertet er das ganze Maßnahmenpaket als Schritt in die richtige Richtung: Die Aussicht auf weniger Bürokratie, Optionen zur längeren Befristung und die angekündigte Einigung innerhalb der Koalition wertet der Gesamtmetall-Präsident positiv.
Kritische Töne schlägt er in Sachen Arbeitszeiten an. Die Regierung habe es – trotz Koalitionsvertrag – bislang nicht geschafft, die Flexibilisierung in puncto Höchstarbeitszeit und Vertrauensarbeitszeit ohne Zeiterfassung umzusetzen. Gerade das wäre für viele Unternehmen ein bedeutender Schritt gewesen. Dinglreiter pocht darauf, dass hier der Koalitionsvertrag eingelöst werden sollte.
Beim Thema EU-Recht bleibt er gelassen: Vertrauensarbeitszeit – aber ohne bürokratische Zeiterfassung – sieht er nach europäischer Rechtsprechung durchaus als zulässig an. Die Politik dürfe sich im Kleinklein nicht verlieren, sondern müsse praxisnahe Lösungen ermöglichen.
Bleibt noch die Sache mit dem Krankenstand. Laut Dinglreiter liegt hier kein subjektives Gefühl, sondern ein wirkliches Problem vor. Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ist für ihn die richtige Richtung – ob die Verpflichtung zur Krankmeldung ab Tag eins einen Effekt habe, müsse man allerdings abwarten. In den Unternehmen kennt man ohnehin viele individuelle Wege, mit Krankheit umzugehen. Dinglreiter hält fest: Kontrolle gegen Missbrauch ist wichtig – letztlich sollte aber auch intern Verantwortung übernommen werden. Ein Thema, das viele Facetten hat und bestimmt weiter für Debatte sorgt.
Udo Dinglreiter, der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, warnt davor, den hohen Krankenstand in deutschen Unternehmen zu unterschätzen und spricht sich für strengere Regeln aus – bis hin zur Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Während er die geplante Reform des Kündigungsschutzes für Gutverdienende und Initiativen zum Bürokratieabbau begrüßt, bemängelt er mangelnde Fortschritte bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten und fordert Umsetzungen aus dem Koalitionsvertrag, wie Vertrauensarbeitszeit ohne Zeiterfassung. Der jüngste öffentliche Diskurs zur Arbeitswelt, Krankenstand und Bürokratieabbau wird inzwischen von neuen Daten gestützt: Die Krankenkassen berichten von einem Anstieg der krankheitsbedingten Fehlzeiten, besonders durch psychische Belastungen und Long COVID; der Gesetzgeber sieht sich in der Pflicht, zugleich Arbeitsentlastung und Kontrolle zu vereinen. Unternehmen unterschiedlicher Branchen reagieren bereits individuell, indem sie beispielsweise betriebsinterne Maßnahmen zur Fehlzeitenreduzierung einführen oder flexible Arbeitsmodelle testen – dennoch bleibt abzuwarten, ob die geplanten Reformen spürbare Veränderungen bringen. Zugleich diskutieren Medien aktuell die gesellschaftlichen Folgen: Die taz etwa verweist auf die schwierige Balance zwischen Rücksicht und Misstrauen, während die FAZ Risiken vorschneller Kontrollmaßnahmen betont und der Spiegel eine Zunahme innerbetrieblicher Debatten nach Gesetzesänderungen beobachtet.