Wenn ich mir vorstelle, wie meine Großeltern nach dem Krieg ihr halbes Hähnchen geviertelt haben – heute mutet das fast an wie ein Relikt vergangener Esskultur. Laut aktuellen Berichten der FAO ist das Hähnchen mittlerweile scheinbar das neue Alltagsbrot: Im Schnitt isst jeder Mensch auf der Welt sechsmal mehr Hähnchen als 1961. Pro Kopf macht das jetzt etwa 17 Kilo im Jahr. Schweinefleisch steht da nicht allzu weit nach: Die Mengen haben sich verdoppelt; heute sind es rund 15 Kilo pro Mensch jährlich. Interessanterweise hat sich beim Rindfleisch – oft in Kritik wegen seines hohen CO2-Fußabdrucks – kaum etwas bewegt. Kein signifikanter Anstieg, stabil bei ungefähr neun Kilo pro Kopf.
Dabei lässt sich nicht leugnen: Fleischkonsum und Klima – das ist eine Beziehung, die es in sich hat. Die Landwirtschaft schnellt beim Ausstoß von Treibhausgasen direkt hinter der Energiebranche auf Platz zwei. Bis 2032 sollen die klimaschädlichen Emissionen aus der Landwirtschaft weltweit um weitere 7,6 Prozent klettern. Drei Mal darf man raten, was dafür hauptsächlich verantwortlich gezeichnet wird – korrekt, die Viehhaltung. Rund 80 Prozent des Anstiegs gehen laut FAO-Tafelstatistik darauf zurück.
Noch ein kleiner, aber wichtiger Haken: Die globale Fleisch- und Milchmenge, die tagtäglich aufwändig produziert wird, geht zu einem erstaunlich großen Teil gar nicht den menschlichen Magen, sondern verloren. Zwischen Schlachtung, Lieferung und Regal bleiben etwa 14 Prozent einfach irgendwo auf der Strecke – oder landen, bestenfalls, im Abfall. Irgendwie paradox, oder? Während also das Angebot explodiert, wird jede siebte Portion gleich wieder entsorgt.
Der FAO-Bericht der Vereinten Nationen liefert eine beeindruckende – und vielleicht auch beunruhigende – Momentaufnahme des globalen Fleischkonsums: Seit 1961 hat sich das Hähnchenfleischangebot pro Person versechsfacht, während Schweinefleischmengen doppelt so hoch und Rindfleischmengen konstant geblieben sind. Landwirtschaft ist nach der Energiewirtschaft der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen, mit weiter steigenden Prognosen – wobei die Viehhaltung den Hauptanteil dieser Zunahme ausmacht. Weltweit landen zudem rund 14 Prozent der Fleisch- und Milchproduktion auf Abwegen, bevor sie verzehrt werden – eine beeindruckende, aber auch ernüchternde Zahl.
Weitere Recherchen zeigen, dass die Frage nach nachhaltigem Fleischkonsum zunehmend auch die europäische Agrarpolitik beschäftigt: Neue Initiativen fordern eine Reduzierung des Fleischanteils auf den Tellern, nicht nur aus Klima-, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen. Gleichzeitig wächst in Ländern wie Deutschland die Zahl der Flexitarier, also Menschen, die gelegentlich bewusst auf Fleisch verzichten, was einerseits Hoffnung gibt, andererseits aber den globalen Trend zum Mehrkonsum besonders von Geflügel nicht stoppt. Parallel entwickeln sich Ersatzprodukte und Alternativen, doch bislang bleibt Fleisch – insbesondere Geflügel – in den meisten Teilen der Welt das preiswerte Eiweiß der Wahl.