Zu wenig Mut in der Politik?
Er sieht die bisher angekündigten Maßnahmen als Tropfen auf den heißen Stein. Bei einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ betont Dittrich: Im Herbst braucht es spürbare und schnelle Gesetzesänderungen – inhaltlich kräftiger als bisher.Schraubenschlüssel: Lohnnebenkosten
Kernpunkt seiner Forderung: Die Sozialabgaben müssen runter, und zwar spürbar. Kaum ein Sektor leidet so stark unter hohen Lohnkosten wie das Handwerk – schon ein winziger Anstieg schlägt brutal durch, denn rund 60 Prozent der Kosten entfallen direkt auf Löhne. „Ein Prozentpunkt mehr kostet deutschlandweit 20 Milliarden Euro“, rechnet Dittrich vor. Die einst heilige Obergrenze von 40 Prozent Gesamtbelastung liegt mittlerweile um drei Prozentpunkte darüber, was laut Dittrich schnellstmöglich repariert werden muss.Stimmung wie im Lockdown
Eine frische Branchenumfrage unter 6.000 Handwerksbetrieben bringt es ans Licht: Die Zuversicht ist förmlich eingebrochen – ungefähr so wie zu den schlimmsten Corona-Zeiten. Für Dittrich ein weiteres Alarmsignal: Die Branche ruft nach Hilfe.Handwerk bleibt das Sorgenkind
Dabei läuft es bei anderen Branchen laut dem Ifo-Institut oft besser. Viele handwerkliche Firmen spüren von so gefeierten Vorstößen, wie etwa der Körperschaftsteuerreform, rein gar nichts – weil die meisten Betriebe keine Kapitalgesellschaften, sondern eher klassischen Personengesellschaften sind.Reformen rutschen vorbei
Rund drei Viertel der Betriebe haben nach wie vor das Nachsehen – geplante Steuerentlastungen führen mitunter sogar zu neuen Belastungen. Auch die Vorgeschlagene Einkommenssteuerreform könnte sich schlechter als erwartet auswirken. Als Dachdeckermeister kennt Dittrich das aus eigener Anschauung: Die Stimmung ist angespannt, man spürt den Druck in jedem Gespräch.Eine gewichtige Stimme
Im Zentralverband sind rund eine Million Betriebe organisiert, sie beschäftigen etwa sechs Millionen Menschen – und Jörg Dittrich, selbst Handwerker, bringt die Sorgen ungefiltert in die Politik. Nun beginnt seine zweite Amtszeit – und Dittrich gilt vielen als Kämpfer, der wenig beschönigt.Jörg Dittrich, der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), fordert mit Nachdruck, die aktuell hohen Lohnnebenkosten zu senken, um ein weiteres Abgleiten der Handwerksbranche zu verhindern. Nach aktuellen Umfragen ist die Stimmung in den Handwerksbetrieben auf einem Tiefstand, der stark an die Anfangszeit der Corona-Pandemie erinnert – viele Betriebe fühlen sich von aktuellen politischen Maßnahmen schlicht nicht ernst genommen. Dittrich betont, dass bestehende steuerliche Entlastungen wie die Senkung der Körperschaftsteuer keine Wirkung im Handwerk erzielen, weil die allermeisten Betriebe nicht als Kapitalgesellschaften firmieren, darunter leiden sowohl die Wettbewerbsfähigkeit als auch die Investitionsbereitschaft. Weitere aktuelle Medienberichte bestätigen: Die Sorgen der Handwerker werden noch verschärft durch bürokratische Hürden, einen akuten Fachkräftemangel sowie steigende Preise für Material und Energie. Zahlreiche Förderprogramme oder steuerliche Entlastungen kommen in der Realität entweder kaum an – oder sind derart kompliziert gestaltet, dass viele kleinere Betriebe davon gar nicht profitieren. Ausgehend von neuen politischen und wirtschaftlichen Debatten erwächst der Druck auf die Bundesregierung, das Rückgrat des Mittelstands, das Handwerk, nachhaltig zu entlasten und im europäischen Wettbewerb wieder stärker zu machen – ein Punkt, hinter dem nun selbst einige Teile der Opposition stehen.