Politik überrascht einen eben doch manchmal, wenn man es am wenigsten erwartet. Die Vorsitzende der Linksfraktion in Sachsen-Anhalt, Eva von Angern, öffnet eine bislang fest verschlossene Tür zu möglichen Gesprächen mit der CDU – vorausgesetzt, die politische Not macht es nötig.
Ein neues Kapitel in Sicht?
Die jüngsten Äußerungen von Angern klingen wie eine Einladung – oder zumindest wie das Leise-Anklopfen an einem bislang zugezimmerten Dialogfenster. "Sollte es unumgänglich sein, nehmen wir Gespräche an", meinte sie im Interview mit dem "Spiegel". Was früher kategorisch ausgeschlossen wurde, ist jetzt ein mögliches Werkzeug in der politischen Werkzeugkiste – allerdings, und das klingt durch, nur zu harten Bedingungen.Keine faulen Kompromisse
Wer noch denkt, man könne mit ein paar Alibibekenntnissen oder politischen Phrasen bei der Linken punkten, irrt sich. Die Zeiten, in denen Kompromisse am grünen Tisch ausgekungelt wurden, scheinen vorbei: Von Angern stellt klar, dass es für ein Entgegenkommen der Linken kein automatisches "Ja" gibt. Besonders deutlich wird das beim Thema Ministerpräsidentenwahl – ein Selbstläufer für die CDU wird das nicht.Warnschuss an die Christdemokraten
Zwischen den Zeilen (eigentlich auch direkt drin) schwingt ein gewisser Nachdruck mit: Von Angern drückt der CDU den Staffelstab in die Hand, fordert Transparenz, keine Versteckspiele mehr. Ihre Botschaft: Wer annimmt, die Linke werde im Zweifel zähneknirschend mitziehen, macht es sich zu einfach. Die Aussage "Wir stimmen nicht zu, nur weil es von uns erwartet wird" wirkt wie eine pragmatische Drohkulisse – oder ein Weckruf.Oppositionskurs mit Lücken?
Trotz aller Annäherung bleibt ein Rest Skepsis: Eva von Angern sieht ihre Partei weiterhin in der Rolle der Regierungskritik und Opposition – selbst, wenn punktuelle Übereinkünfte drin sind. Interessant ist ihr Hinweis, es gebe bei der CDU Persönlichkeiten, mit denen jede Zusammenarbeit ausgeschlossen wäre. Das klingt wie: Es bleibt offen, wer da wirklich am Tisch sitzen könnte.Klartext der Linken
Die finale Botschaft? Die Linke will keine schwammigen Floskeln mehr, sondern Ansagen. Der Appell an die CDU ist unmissverständlich: Auf dem Rücken der Wählerinnen und Wähler mit rhetorischen Trickereien weiterzuwurschteln, schadet dem ganzen politischen Betrieb. Ein schlechtes Ergebnis für die Demokratie wäre, wenn nach der Wahl alles bleibt, wie es war – nur mit neuen Farben. Das ist schon starker Tobak, aber vermutlich notwendig. Nur am Rand: Manchmal habe ich mich gefragt, ob sich beide Parteien schon im Voraus so zoffen, dass hinterher Einigung leichter fällt.