Freitagabend, Flutlicht im Carl-Benz-Stadion, rund 23.500 Fans – Fußball, wie man ihn sich eigentlich wünscht. Doch das Viertelfinal-Derby zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern lief, um es vorsichtig zu sagen, aus dem Ruder. Anfangs war die Stimmung durchaus ausgelassen, beinahe schon elektrisierend, mit einem großen Fanmarsch von rund 2.000 Lautrer Anhängern von Ludwigshafen nach Mannheim. Ohne große Probleme übrigens. Doch bereits im Stadion wurde klar, dass das Spiel heute nicht friedlich ablaufen würde: Immer wieder wurde Pyrotechnik gezündet, und die Grenze zwischen Stimmung und Gefahr verschwamm bedrohlich. Nach dem Abpfiff der regulären Spielzeit, als das Adrenalin eh schon am Kochen war, eskalierte die Lage vollends. Zuerst auf dem Rasen – Stichwort Rudelbildung, dann auch auf den Tribünen. Schnell flogen Becher und, erschreckender noch, Raketen. Der Rasen wurde gestürmt, die Polizei musste eingreifen, und das nicht zimperlich: Mit „Zwangsanwendung“ wurden Personen wieder zurück in den Heimblock gedrängt. Wie absurd das klingt – Zwangsanwendung im Kontext von Fußball, aber das war wohl nötig, denn auch die Beamten wurden mit Pyrotechnik aus dem Block beschossen, so schilderte es die Polizei später. Insgesamt wurden 33 Bundespolizisten und zwei Landespolizisten verletzt. Während der Verlängerung beruhigte sich die Lage zwar, aber die Schäden waren da. Noch nach Spielschluss brannte es im Gästeblock, Feuerwehr im Einsatz. Seinen Rhythmus hatte das Spiel und das Drumherum längst verloren. Die Polizei spricht von Landfriedensbruch, tätlichen Angriffen gegen Polizisten und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz – eine ganze Latte Anzeigen also. 85 Menschen mussten medizinisch behandelt werden, acht davon ins Krankenhaus. Absurd viele – und trotzdem fast schon eine bittere Randnotiz neben der enormen Beteiligung von 1.400 Polizisten und teils lahmgelegtem Stadtverkehr. Einsatzleiter Reichert zog dennoch ein positives Fazit – das Konzept habe funktioniert. Klingt fast zynisch. Als Fan fragt man sich: Wie oft soll so etwas eigentlich noch passieren?
Das Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern war nicht nur auf dem Platz umkämpft – vielmehr war es geprägt von Ausschreitungen zwischen den Fanlagern und polizeilichen Maßnahmen. Neben 35 verletzten Polizisten und zahlreichen Festnahmen mussten auch zahlreiche Rettungskräfte anrücken. Die Polizei ermittle nun unter anderem wegen Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz, die Atmosphäre rund ums Stadion war teilweise so aufgeheizt, dass sich die Polizei zum Einsatz von Zwangsmitteln und weitem Kräfteaufgebot gezwungen sah. Laut aktuellen Berichten aus der Süddeutschen Zeitung und der Zeit ist die Diskussion um Pyrotechnik in Stadien erneut aufgeflammt, da in den sozialen Medien und unter Fußballfunktionären unterschiedliche Meinungen laut wurden – vom plötzlichen Ruf nach Geisterspielen bis hin zu Appellen an die Vernunft der Fangemeinden. Auch das deutsche Innenministerium schaltete sich ein und kündigte an, gemeinsam mit den Fußballverbänden über neue Sicherheitskonzepte zu beraten. Die Ereignisse in Mannheim stehen damit symbolisch für eine grundsätzliche Debatte über Gewalt rund um Fußballspiele und die Frage, wie der Spagat zwischen Fankultur und Sicherheit zu meistern ist.