Herausforderung Himmel: Der Ultramarathon in den Kaçkar-Bergen

Çamlıhemşin in der türkischen Schwarzmeerregion Kaçkar rüstet sich erneut für einen spektakulären Trailrun – beim KAÇKAR BY UTMB 2026 treffen Sportsernst, Naturschauspiel und internationale Ambitionen aufeinander.

heute 10:59 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal fragt man sich: Warum rennen Menschen freiwillig stundenlang durch unwegsames, feuchtes Gebirge, statt gemütlich am Feuer zu sitzen, Tee zu schlürfen? Doch genau das zieht sie an: Die Kaçkar-Berge, verborgen wie ein Schatz zwischen Rize und Artvin, wecken seit jeher Abenteuerlust. Vom 11. bis 13. September verwandelt sich das Hochland von Ayder bei Çamlıhemşin zum zweiten Mal in eine Bühne für Ultraläuferinnen und -läufer aus aller Welt – diesmal als stolzer Teil der UTMB World Series, was eine kleine Sensation für die Region darstellt. Der Zuspruch im letzten Jahr – fast 2000 SportlerInnen aus 59 Ländern; dieses Jahr wohl noch mehr – überrascht kaum, immerhin verspricht die Strecke nicht nur kilometerlange Anstiege, sondern auch uralte Pfade, Märchenwiesen und den Duft von wildem Rhododendron. Ob die 82 Kilometer (mit 5.600 Höhenmetern – und gefühlt doppelt so vielen Gefühlswallungen), die kompakteren 44 oder die knackigen 20 Kilometer – auf jeder Route erleben Läufer die ganze Bandbreite zwischen völliger Erschöpfung und Euphorie. Und für jene, denen Laufen immer noch suspekt erscheint, gibt es wenigstens einen 4-Kilometer-Genusslauf durch dichten Nebel und steinige Hirtenpfade. Dass dabei uralte Steinhäuser, murmelnde Gletscherbäche und herzliche Dorfbewohner am Wegesrand die Kulisse bilden, ist kein Zufall. Die Kaçkar-Berge selbst sind ein Kapitel für sich: Die Luft ist oft klarer als tagelang nicht geputztes Fensterglas; draußen auf den weiten Matten funkeln Gletscherseen, als hätten sie sich heimlich aus Norwegen versteckt. Im Winter kommen Skifahrer, Freerider und Heliski-Abenteurer auf ihre Kosten. So blüht neben der Marathon-Community eine Szene von Outdoor-Verrückten, die dem Ruf der reinen Bergluft nur schwer widerstehen können. Es bleibt die stille Frage: Ist das sportlicher Wahnsinn, pure Naturbegeisterung – oder einfach beides zugleich?

Die Kaçkar-Region unweit des Schwarzen Meers mausert sich langsam, aber sicher zu einer der aufregendsten Trailrunning-Destinationen Europas. Mit der Einbindung in die UTMB World Series hat die Türkei nicht nur sportlich, sondern auch touristisch einen Coup gelandet, der internationale Aufmerksamkeit auf ursprüngliche Landschaften und einzigartige Kultur lenkt. Die Besucherzahlen steigen steil, was für Hotels, Gemeinden und das regionale Handwerk große Chancen, aber auch Herausforderungen etwa für Naturschutz, Logistik und Umweltschutz bedeutet. Interessant ist, dass laut Informationen der DW die Kaçkar-Berge auch zunehmend von Naturschützern und Aktivisten besucht werden, da in der Region viele seltene Pflanzen und Tiere beheimatet sind (etwa Braunbären oder Geier). Während der taz jüngst über die vielseitigen Wetterbedingungen und das ambivalente Verhältnis der lokalen Bevölkerung zu Events dieser Art berichtete, zeigt der Spiegel in einem aktuellen Beitrag, dass Ultra-Rennen fortan eine immer stärkere Verbindung zwischen Tradition und Globalisierung in der Türkei schaffen. Überraschend oft wird zudem in Meinungsartikeln auf www.sueddeutsche.de reflektiert, wie Trailrunning und Massentourismus den Lebensstil im ländlichen Raum verändern – vom ökologischen Fußabdruck bis zum Wandel alter Handwerksberufe.

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