Ifo-Umfrage: Zahl der bedrohten Unternehmen steigt – Einzelhandel am stärksten betroffen

Laut aktueller Erhebung des Ifo-Instituts hält mehr als jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland das eigene Überleben für ungewiss.

heute 07:53 Uhr | 2 mal gelesen

Die Ende April vorgelegte Konjunkturbefragung des Münchner Ifo-Instituts zeichnet ein ziemlich trübes Bild der deutschen Wirtschaftslage. Der Ton bleibt angespannt bis vorsichtig alarmiert: 8,1 Prozent aller befragten Unternehmen sehen sich in ihrer Existenz bedroht – eine beunruhigend hohe Zahl, die vermutlich viele Chefinnen und Chefs nachts wachliegen lässt. Besonders düster sieht es derzeit im Einzelhandel aus, wo fast 17,4 Prozent – also mehr als jedes sechste Geschäft – fürchten, bald zusperren zu müssen. Das wirkt fast wie ein Fieberthermometer für die gesamte Ladenlandschaft; die Kunden halten die Geldbörsen geschlossen, dazu drängen Online-Anbieter und Billigimporte gnadenlos in den Markt. Inflation, explodierende Energiekosten, ein Dschungel aus Bürokratie – das sind die Schlagwörter, die vielen Branchen Kopfzerbrechen bereiten. Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut bringt es auf den Punkt: In den nächsten Monaten wird mit einem Anstieg der Insolvenzen gerechnet, vor allem wegen der immer unberechenbarer werdenden politischen Lage. Wer schon einmal versucht hat, eine kleine Firma am Laufen zu halten, weiß, wie schnell ein weggebrochener Auftrag eine Kettenreaktion auslösen kann – plötzlich fehlt Liquidität, weil Kunden nicht mehr zahlen oder sogar selbst pleitegehen. Am härtesten trifft es aktuell die Gastronomie, Hotellerie und die Werbebranche: Nahezu ein Fünftel der Unternehmen dort sieht das eigene Aus direkt vor der Tür stehen. Ähnlich besorgniserregend ist die Lage bei Marktforschungsunternehmen (14,3 Prozent). In der Industrie hat sich der Anteil der existenziell bedrohten Betriebe zwar minimal auf 7,5 Prozent verringert, aber die Last der internationalen Konkurrenz – vor allem aus Asien – und die hohen Kosten bleiben. Im Bauhauptgewerbe ist die Stimmung ebenso gedrückt: Steigende Zinsen, zögerliche Banken und langwierige Genehmigungen bremsen vor allem den Wohnungsbau massiv aus. Ehrlich gesagt, fragt man sich manchmal, wie viel Puste dem Mittelstand noch bleibt.

Die jüngste Ifo-Umfrage macht deutlich, dass ein erheblicher Teil der deutschen Unternehmen um die eigene Existenz zittert. Besonders im Einzelhandel, in der Gastronomie und Hotellerie sowie in der Werbung ist die Unsicherheit hoch, während Industrie und Bau mit steigenden Kosten und Auftragsmangel kämpfen. Neuere Berichte unterstreichen: Die hohen bürokratischen Hürden bekommen vor allem kleine und mittlere Unternehmen zu spüren, und die Zahl der Insolvenzen nimmt im Frühjahr weiter zu. Der Handelsverband warnt angesichts stagnierender Reallöhne und weiterhin geschwächter Kauflust vor einem Minusgeschäft für Händler. Zudem spitzt sich die Situation vielerorts durch Lieferkettenprobleme und unklare Wirtschaftspolitik weiter zu.

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